Alles auf Anfang an der Greenwichpromenade? Hafenfest bekommt neues Konzept

Nicht nur in der BVV, auch in der Humboldt-Bibliothek wurde diskutiert. Im Rahmen einer Bürgerversammlung erfolgte eine Nachbesprechung des Hafenfestes. (Foto: Georg Wolf)
Berlin: Greenwichpromenade Tegel |

Tegel. Nach heftigen Debatten: 2018 ist wieder ein viertägiges Fest am Tegeler See geplant. Veranstalter Henry Arzig wird eine entsprechende Bewerbung beim Bezirksamt einreichen.

Bis dahin war es ein steiniger Weg. Voller hitziger Debatten. Selbst die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) widmete dem Sommerfest fast eine vollständige Sitzung. Doch der Reihe nach. Was war passiert?

Die achte Ausgabe des Tegeler Hafenfestes in diesem Sommer stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Bezirksamt und Veranstalter machten handwerkliche Fehler. Hinter verschlossenen Türen wurde eine Ausweitung der Festivität auf zehn Tage beschlossen. Von Transparenz und Mitsprache betroffener Anwohner keine Spur. Jens Augner (Grüne), Verordneter in der BVV, drückt es in der aktuellen Sitzung drastisch aus: „Das Bezirksamt hat’s verbockt!“ Es sei ein Imageschaden für Reinickendorf entstanden. Denn statt mit den Plänen frühzeitig an die Öffentlichkeit zu gehen, wurde zulange seitens zuständigem Ordnungsdienststadtrat Sebastian Maack (AfD) und Henry Arzigs gewartet.

Ja zu zehn Tagen Hafenfest, aber mit Auflagen

Die betroffenen Anwohner waren darüber nicht erfreut. Eine direkte Kommunikation zwischen ihnen und dem Bezirk blieb erfolglos. Da ihre Kritik ungehört blieb, riefen sie die Interessengemeinschaft „Hafenfest 2017“ ins Leben. Deren Ziel lautete, zehn Tage Party vor der eigenen Haustür zu verhindern. Es wurde gar eine Klage angedroht. Wenige Wochen vor Start musste ein Richter des Verwaltungsgerichtes über die Verlängerung urteilen. Es hagelte zwar Auflagen für den Veranstalter, das Fest fand dennoch statt – und zwar zehn Tage lang. Die Auflagen, sagt Henry Arzig auf einer Bürgerversammlung Wochen nach dem Fest, hätten ihm das Fest ruiniert. Unter anderem sah das Urteil vor, dass zwei der drei Feuerwerke gestrichen werden sollten und die Musik eine bestimmte Dezibelgrenze an störungsfreien Tagen nicht überschreiten durfte.

Nun, gut zweieinhalb Monate nach dem Tegeler Hafenfest, wurden die Besucherzahlen den Bezirksverordneten in der BVV vorgestellt. Diese zeigen zwei Dinge klar auf. Nämlich: Die Besucherzahlen stimmten aus Sicht des Veranstalters. Jedoch nur an den beiden Festwochenenden. Von Montag bis Donnerstag herrschte über weite Strecken tote Hose. „Der Besucherstrom wurden erfolgreich entzerrt.“, kommentierte Stadtrat Maack Zahlen lakonisch. Denn, das war der Hauptgrund für die geforderte Ausdehnung des Festes: Eine bessere Verteilung der Besucher auf mehrere Tage, um deren Sicherheit garantieren zu können. Laut Veranstalter besuchten an den zehn Festtagen rund 38.500 Gäste die Meile.

Dem Veranstalter wird die Qualifikation abgesprochen

In der folgenden, gut zweistündigen Diskussion, wurden nochmals alle Für und Wider eines Hafenfestes diskutiert. Dabei ging es nicht mehr nur um die angestrebte Dauer von vier Tagen, sondern auch um die zukünftige Ausrichtung. Gerald Walk (SPD) trug sein Herz auf der Zunge: „Der Veranstalter hat nicht die Qualifikation ein Hafenfest durchzuführen.“

Doch wie genau soll das Hafenfest der Zukunft aussehen? Ähnlich breit wie die politische Ausrichtung der Parteien im Bezirksparlament, war auch die Wunschbreite ihrer Verordneten. Es soll maritimer werden, ginge es nach Ralf Wiedenhaupt, AfD-Fraktionsvorsitzender in der BVV.

„Aus Sicht der CDU war das Hafenfest ein Erfolg“, kommentierte Dirk Steffel die diesjährige Ausgabe. Zu welcher Variante seine Partei tendiere, blieb bis Sitzungsende offen.

Anwohner frühzeitig am Prozess beteiligen

Mehrheitlich sprachen sich die übrigen Fraktionen für eine Dauer von vier Tagen für das Tegeler Hafenfest 2018 aus. Auch sollen alle Beteiligten, also auch die Anwohner, frühzeitig mit ins Boot geholt werden. Es war dauch herauszuhören, dass ein anderer Ausrichter nicht verkehrt wäre. „Herr Arzig kann ja den Schlager-Olymp weiter ausrichten“, stellte Mieke Senftleben, FDP-Fraktionschefin, fest. Dafür gab es quer durch alle Fraktionen Zustimmung.

Bevor es im nächsten Jahr eine Neuauflage an der Greenwichpromenade geben kann, muss ein Antrag eingereicht werden. Laut Stadtrat Maack liegt dieser in loser Form vor. Außerdem stellte der Stadtrat klar: „Herr Arzig wird kein weiteres dreitägiges Fest am Kanonenplatz ausrichten.“ Diese Aussage sorgte in der BVV für Beruhigung. Seit geraumer Zeit geisterte nämlich ein solches Gerücht über die Gänge des Reinickendorfer Rathauses. gw
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