Die "grüne Bibliothek" hat an der Lützowstraße eröffnet

Gärtnerin Julia Westheimer (rechts) zeigt Bibliotheksleiterin Anja Seifert, wie die Saatgut-Bibliothek funktioniert. (Foto: KEN)
Berlin: Bibliothek Tiergarten-Süd |

Tiergarten. Die "grüne Bibliothek der Nachbarschaft" ist eröffnet. Sie ist einmalig in Deutschland.

Julia Westheimer, Gärtnerin des Gemeinschaftsgartens "Wachsen lassen", zeigt in der Bibliothek Tiergarten-Süd, wie es geht. Papiertütchen mit gewünschten Samen aus dem Regal nehmen, ein leeres Tütchen mit dem deutschen und dem wissenschaftlichen lateinischen Namen der Pflanze beschriften, mit dem Porzellanlöffelchen einige Samen dem vollen Tütchen entnehmen und in das leere Tütchen füllen. Danach kann der Hobbygärtner auf seiner Terrasse, seinem Balkon oder im Garten die Samen aussäen, die heranwachsende Pflanze pflegen, Früchte ernten und neue Samen gewinnen, die er dann in die Bibliothek an der Lützowstraße zurückbringt.

In dem Regal in der Bibliothek werden die Samentüten sorgfältig in Fächern verwahrt. Samen von Feldsalat aus der Schweiz, Demeter-Kapuzinerkresse aus Schönhagen, Bohnenkraut von Kiepenkerl, Kopfsalat "Bunte Forelle" aus Greifenberg, Möhren aus Kaufungen, Knollenfenchel und Radieschen aus Österreich sowie unzählige Samen von Stauden, Gehölzen, Nutzpflanzen und Blumen. Im Gemeinschaftsgarten in der Kluckstraße 11, der an die Bibliothek grenzt, hat Julia Westheimer sogar schon eine eigene "Kieztomate" kreiert. Sie trägt den Namen "süße Autonome", ist mittelgroß und wohlschmeckend. Bis sie aber "voll etabliert" ist, werden wohl drei Dekaden vergehen, sagt die Gärtnerin.

Die Leihsämerei ist aber nicht alles. In Büchern, die von der Interessengemeinschaft Bibliothek gespendet wurden, erfährt man alles zu Themen wie "neue Ökologie", gesunde Ernährung oder Gärtnern in der Stadt. Weitere Anschaffungen für die Fachbibliothek und die Saatgut-Sammlung sind vorgesehen.

Die neue Saatgut-Bibliothek in Tiergarten-Süd ist die Fortsetzung der früheren Saatgut-Tauschbörsen, die der Gemeinschaftsgarten, ein Aufenthalts-, Kultur- und Lernort in Bezirkseigentum für die Nachbarschaft, veranstaltet hat. Die Idee der Leihsämerei hat Julia Westheimer im Internet gefunden. "In den USA sind solche Saatgut-Bibliotheken schon seit längerer Zeit bekannt", sagt sie. Die Eröffnung der grünen Bibliothek sei ein besonderer Tag für die Bibliothek und den Kiez, ein "wunderbares Projekt", so Bibliotheksleiterin Anja Seifert. Die grüne Bibliothek verdeutliche das große ehrenamtliche Engagement der Anwohner für ihre Bibliothek. "Hier wird Wissen lebendig."

2013 stand die Bibliothek Tiergarten-Süd vor dem Aus. Bürger taten sich in der Interessengemeinschaft Bibliothek zusammen und erarbeiteten mit dem Bezirksamt und dem Stadtteilverein Tiergarten ein Konzept, um die Einrichtung zu erhalten: durch den Kauf von bisher 450 Medien dank Spenden, mit Angeboten für Kitas und Schulen am Vormittag, mit offenen, generationsübergreifenden und interkulturellen Veranstaltungen am Nachmittag. Die Akteure wollen die Stadtteilbibliothek zu einem soziokulturellen Zentrum ausbauen. Gärtnern im Gemeinschaftsgarten und grüne Bibliothek sollen immer stärker verknüpft werden.

Geöffnet ist die Bibliothek ( 23 00 30 88), Lützowstraße 27, montags, dienstags, donnerstags und freitags von 12.30 bis 18 Uhr. Sprechzeiten der IG Bibliothek sind montags und dienstags von 14-17 Uhr, in der Lützowstraße 27. Weitere Informationen über den E-Mail-Kontakt gruenebibliothek@web.de oder auf www.wachsenlassen.wordpress.com.

Karen Noetzel / KEN
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