Ehrenrettung für Urania

Der Historiker Jost Wippermann. (Foto: KEN)
 
Urania-Direktor Ulrich Bleyer(links) und der Historiker Jost Wippermann vor der enthüllten Gedenktafel für Fritz Anselm Arnheim im Hauptfoyer der Urania. (Foto: KEN)
Berlin: Urania Berlin |

Schöneberg. „Fritz Anselm Arnheim hat die Ehre der Urania gerettet“, sagt Direktor Ulrich Bleyer. Der Wissensverein bedankt sich bei seinem couragierten, von den Nazis ermordeten ehemaligen Vize-Vorsitzenden mit einer Gedenktafel .

Das Foyer im Erdgeschoss trägt ab jetzt seinen Namen. In den vergangenen Monaten hat die Urania allen ihren noch unbenannten Räumen Namen berühmter Forscher und Gelehrter verliehen. Das Hauptfoyer wurde für Fritz Anselm Arnheim reserviert.

Auch in einer Institution wie der Urania, die Wissen vermittelt, sei Wissen verschüttet gewesen. Das galt es auszugraben, sagte Ulrich Bleyer bei der Enthüllung der Tafel.

Sie fällt durch zwei Besonderheiten auf. Zum einen ist der Gewürdigte nicht abgebildet. Kein Foto von Fritz Anselm Arnheim hat sich erhalten. So ist die Urania auf ein Dokument ausgewichen, das bezeichnend ist für Ausgrenzung, Entrechtung, Verfolgung und Ermordung der Juden: die Verfügung zur Vermögenseinziehung, die am 1. August 1942, knapp drei Wochen vor der Deportation Arnheims und seiner Familie, von der NS-Behörde ausgestellt wurde.

Zum anderen gibt es ein Zitat Arnheims: „In diesem Land bin ich groß geworden, mit diesem Land bin ich Heimat, Sprache, Erziehung und Kultur so eng verbunden, dass ich mit jeder Faser meiner Seele an ihm hänge und hängen werde.“

Beim Gedenken mit Tafel und Foyers-Benennung hat es die Urania nicht belassen. Dank Lottomittel konnte der Verein den Historiker Jost Wippermann beauftragen, das Schicksal Arnheims und seiner Familie zu recherchieren. Das Ergebnis ist die eindrückliche Dokumentensammlung „Verfolgt, vernichtet und vergessen: Das Schicksal des Fritz Anselm Arnheim“, das die Urania an Interessierte verschenkt.

„Um das weitere Schicksal unseres Arnheim hat sich bisher niemand gekümmert“, sagte Direktor Ulrich Bleyer. „Diese Lücke der Urania-Geschichte wollten wir nun gern schließen.“ Erste Hinweise, dass das gelingen würde, gab es bei den Vorbereitungen zum 125. Geburtstag der Urania.

Die Familie Arnheim stand auf einer Deportationsliste. Eine Personalakte Arnheims, die Jost Wippermann durch Zufall im Bundesarchiv fand, sei der „Opener für meine Studien“ gewesen, so der Historiker. Wippermann spricht lieber von einem mosaiksteinartigen Lebenslauf, dem er akribisch nachgespürt hat. Die Quellenlage war äußerst schwierig.

Was die Publikation auszeichnet, ist ein großer Anhang. Erstmals wird die Liste für den „Ersten Großen Alterstransport“ veröffentlicht. Auf der Liste die Namen der Arnheims und weiterer 993 jüdischer Berliner, die am 18. August 1942 nach Theresienstadt deportiert worden sind. Ein Folgeprojekt könnte sich dem Schicksal dieser Menschen widmen, regt Urania-Direktor Ulrich Bleyer an.

Und noch eine Überraschung hält Historiker Wippermann parat. Entgegen allen einschlägigen Quellen zum Holocaust – Gedenkbuch, Bundesarchiv, Yad Vashem und anderen Dokumentationszentren – hat der 1927 geborene Sohn Ulrich Wolfgang Arnheim Auschwitz überlebt. Er wanderte in die USA aus und kehrte nie wieder in seine Heimatstadt Berlin zurück.KEN

Informationen unter www.urania-berlin.de.
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