Stadtteilverein Tiergarten startet neues Präventions- und Hilfsprojekt

Tiergarten. Häusliche Gewalt ist seit mehr als einem Jahrzehnt ein Schwerpunktthema in Mitte. In belebten Einkaufsstraßen, auf Wochenmärkten und Straßenfesten informiert der Bezirk regelmäßig bedrohte Frauen und solche, die Betroffene kennen.

In Tiergarten ist ein weiteres Projekt gegen Gewalt an Frauen an den Start gegangen. Jede vierte Frau in Deutschland erleidet mindestens einmal in ihrem Leben häusliche Gewalt. "Jedes Jahr werden in Berlin rund 17 000 Fälle bekannt", so die Gleichstellungsbeauftragte Kerstin Drobick. Die Dunkelziffer betrage mindestens das Doppelte. Der Stadtteilverein Tiergarten hat das Projekt "Ehrenamt gegen häusliche Gewalt" aufgelegt. Das war bereits am 1. Oktober 2013. Es sei zunächst aber im Sande verlaufen, erläutert die Koordinatorin Marsilia Podlech. Seit März unternimmt der Verein nun einen neuen Anlauf. Das vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bis 30. September 2016 geförderte Vorhaben soll insbesondere Migrantinnen den Zugang zu städtischen Hilfsangeboten und Beratungsstellen erleichtern. Viele der betroffenen Frauen seien von ihren Männern wirtschaftlich abhängig oder in konservativen Familienstrukturen eingebunden, in denen Gewalt gegen Frauen "Tradition" sei, so der Schirmherr des Projekts, Bürgermeister Christian Hanke (SPD).

Im Mittelpunkt von "Ehrenamt gegen häusliche Gewalt" steht der Aufbau einer ehrenamtlichen Aktionsgruppe. Fünf bis zwölf Frauen sollen es sein, die in Zusammenarbeit mit der "Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen" (BIG) als erste Ansprechpartner für Betroffene geschult werden. Die Ausbildung ist kostenlos. Die Teilnehmerinnen erhalten eine kleine Aufwandsentschädigung und werden von Fachleuten etwas aus der Bezirksverwaltung und von der Polizei unterstützt. Die Gruppe soll so rasch wie möglich ihre Tätigkeit aufnehmen, so der Wunsch Podlechs. Nach der Förderlaufzeit soll die Gruppe selbstständig weiterarbeiten.

Interessierte und Betroffene können sich ab sofort mittwochs von 10 bis 11.30 Uhr in einer offenen Sprechstunde in der Kluckstraße 11, zweites Obergeschoss, bei Marsilia Podlech informieren. Kontakt: 39 20 98 21 und per E-Mail gegengewalt@stadtteilverein.eu.

Karen Noetzel / KEN
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