Der Frauentreff Olga hilft vor Ort am Straßenstrich

Heike Krause: "Wir holen drogenabhängige und sich prostituierende Frauen da ab, wo sie stehen." (Foto: KEN)

Tiergarten. "Wir sind mitten im Geschehen", sagt Heike Krause, Mitarbeiterin des Trägervereins "Notdienst für Suchtmittelgefährdete und -abhängige Berlin". Nur wenige Schritte entfernt von der Geschäftsstelle des Vereins in der Genthiner Straße befindet sich der Straßenstrich.

In der Kurfürstenstraße 40 unterhält der Notdienst die Kontakt- und Beratungsstelle für drogenabhängige Frauen "Frauentreff Olga", die sich in den häufigsten Fällen auch prostituieren. Die Kurfürstenstraße habe ja durch das Schicksal der Christiane F. als Babystrich traurige Berühmtheit erlangt, sagt Heike Krause. Etwa 300 Frauen gehen entlang der Kurfürstenstraße zwischen Genthiner und Potsdamer Straße anschaffen. Ist in der Stadt etwas Besonderes los, sind es auch mehr.

"Olga" gibt es seit 1987. Die Einrichtung ist seit nahezu drei Jahrzehnten die einzige ihrer Art in ganz Berlin geblieben. Weil der Treff, von Frauen für Frauen gemacht, seinen Klientinnen die Möglichkeit geben möchte, für einen Augenblick dem "Alltag" in der Szene und auf dem Strich zu entfliehen, bleibt Männern der Zutritt verwehrt. "Wir holen drogenabhängige und sich prostituierende Frauen da ab, wo sie stehen, und begleiten sie auf dem Weg in die Unabhängigkeit", fasst Notdienst-Sprecherin Krause die Aufgabe des Treffs zusammen.

Weil aber von den Frauen, die in die Kurfürstenstraße 40 kommen, weder erwartet wird, dass sie aus dem Milieu aussteigen noch einen Drogenentzug machen, um ein neues Leben zu beginnen, kann dieser Weg in die Unabhängigkeit sehr lang sein. Eine Grundvoraussetzung sei, so Heike Krause, der Aufbau gegenseitigen Vertrauens, auch weil viele Frauen nicht freiwillig auf den Strich gehen.

50 bis 70 Frauen nehmen zu den Öffnungszeiten der Kontakt- und Beratungsstelle das Angebot wahr. Sie sind 18 bis 60 Jahre alt. Etwa zwei Drittel der Frauen haben Migrationshintergrund, ein Großteil kommt aus Osteuropa, so die Zahlen des Notdienstes. Bei "Olga" finden sie ganz einfache Hilfen wie Essen, Trinken, die Möglichkeit zur Körper- und Wäschepflege. Dort können sie auch Spritzen tauschen. Und es gibt Kondome.

Das Leben der Frauen sei geprägt von Prostitution, Obdachlosigkeit, Gewalt und schlechter psychischer und gesundheitlicher Verfassung, so Krause. Neben professionellen Gesprächen und Beratung - auch draußen auf der Straße - durch Sozialarbeiterinnen, bieten eine Ärztin und eine Krankenschwester im "Olga" eine kostenlose medizinische Versorgung. Eine Anwältin berät jeden ersten und zweiten Dienstag im Monat in Rechtsfragen. Einmal im Monat hält auch die Polizei eine Sprechstunde ab.

Geöffnet ist der Treff montags, dienstags und freitags von 16 bis 22 Uhr sowie donnerstags von 18 bis 22 Uhr. Weitere Informationen gibt es unter 262 89 59.

Karen Noetzel / KEN
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