Gebäude am Kurt-Schumacher-Platz soll umgebaut werden

Der mittlere Teil des Hauses Kapweg 3-5 soll Flüchtlingsheim werden. (Foto: Dirk Jericho)

Wedding. Die Eigentümer des 1997 gebauten Bürohauses am Kapweg 3-5 möchten ein Drittel der Flächen als Flüchtlingsunterkunft vermieten.

Markante Klinkerfassade mit mintgrünen Fenstern und Aufbauten - doch das moderne Bürohaus am Kapweg Ecke Scharnweberstraße ist für die Eigentümer seit Jahren ein Sorgenkind. Derzeit stehen etwa 35 Prozent der Flächen leer. Bis vor kurzem waren es sogar 60 Prozent Leerstand, wie Markus Graf von der Frankfurter Immobilienmanagementfirma Everest Management sagt. Er verwaltet das Gebäude für die amerikanischen Investoren und ist ständig auf der Suche nach neuen Mietern. In dem auch Kap-Karree genannten Gebäudekomplex gibt es zurzeit zwölf Arztpraxen und mehrere Firmen.

Wie Markus Graf bestätigt, hat Everest Management beim Bezirksamt einen Bauantrag auf Umnutzung in ein Flüchtlingsheim gestellt. Er nennt das Projekt Boarding-House, weil er niemanden aufschrecken möchte. Bisher weiß kein Mieter von den Plänen. 123 Zimmer für bis zu 400 Personen sollen im mittleren Teil mit der Hausnummer Kapweg 4 entstehen. Etwa 6500 Quadratmeter stehen dafür in dem Haus mit insgesamt 18 000 Quadratmetern Mietfläche zur Verfügung.

"Wir prüfen gerade, ob das genehmigungsfähig ist", sagt Graf. Es geht um die erste bis vierte Etage, die für die Unterbringung von Flüchtlingen umgebaut werden soll. Die mintgrünen Aufbauten darüber sollen weiterhin für Büromieter bleiben. "Wir suchen schon länger nach einem Nutzer für die Etagen", so Graf. Seit der Pleite des letzten Großmieters, einem Fertighaushersteller, steht der Bereich leer. Die Kassenärztliche Vereinigung wollte später den Gebäudeteil mieten, dann 2011 das Arbeits- und Landgericht. Dafür hätte Graf das Haus für sechs Millionen Euro inklusive Gerichtssälen umgebaut. Aber aus all diesen Plänen wurde nichts, wie auch nicht aus den Überlegungen, ein Altenpflegeheim dort einzurichten.

"Wir sind sehr daran interessiert", bestätigt Franz Allert, Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGeSo), das Angebot des Hausbesitzers. Das Bezirksamt prüfe derzeit, ob eine Umnutzung in ein Flüchtlingswohnheim bau- und planungsrechtlich möglich ist. "Planungsrechtlich ist das an dem Standort kein Problem", sagte Baustadtrat Carsten Spallek (CDU). Details wie Fluchtwege und eventuell notwendige Umbauten werden derzeit geprüft. Wenn die Behörden grünes Licht geben, will Franz Allert noch in diesem Jahr "zwischen 350 und 400 Flüchtlinge" im Kapweg unterbringen. Im Bezirk Mitte bringt das LAGeSo aktuell 1347 der insgesamt 8991 Flüchtlinge unter. Nur Spandau stellt noch mehr Plätze zur Verfügung.


Dirk Jericho / DJ
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