Familien in Notsituationen weiterhin unversorgt?

Beginn des Fachtages

Pressemitteilung 27.06.2017

Die Expertenrunde eines Fachtages mit u. a. Vertretern des Senats, der Jugendämter, Fachhochschulen, der Berliner Ombudschaft für die Kinder- und Jugendhilfe, tagte am 23.06.2017 in Berlin. Der Veranstalter WEG DER MITTE gem. e.V., der den Fachtag in Kooperation mit dem PARITÄTISCHEN Landesverband Berlin durchführte, sowie alle Teilnehmer waren sich einig: Die Betreuung und Versorgung von Familien in Notsituationen in Berlin muss deutlich verbessert werden.

Astrid Kleinke, Leitung der Sozialen Dienste des WEG DER MITTE, betonte, dass viel zu oft Familien unversorgt blieben, da mittlerweile auf Grund der durch den Senat festgelegten extrem geringen Entgelte nur noch wenige Familienpflegedienste existieren. Es kann nicht mehr kostendeckend gearbeitet werden. Seit 1994 ist der Entgeltsatz nahezu gleich geblieben - 40 Cent Erhöhung in 23 Jahren – das bedeutet eine reale Senkung der Kostensätze um ca. 30 %.

Seit über 30 Jahren engagiert sich WEG DER MITTE mit einem Team von 30 erfahrenen Familienpflegern für Familien in Notsituationen und erlebt tagtäglich die defizitäre Versorgungslage. WEG DER MITTE werde sich weiterhin dafür einsetzen, die Versorgungssituation zu verbessern und Familien zu ihrem Recht zu verhelfen. Dafür sei ein Umdenken von Politik und Verwaltung unumgänglich. Anschaulich wurde dargelegt, wie Familienpflege in Krisensituationen unbürokratisch und professionell effektive Hilfe leistet.

Professor Dr. Dr. h. c. Wiesner, der maßgeblich an der Entwicklung des Kinder und Jugendhilfegesetzes beteiligt war, sprach es deutlich aus: Es besteht Gewährleistungspflicht, Hilfe für Familien in Notsituation gemäß § 20 SGB VIII bereit zu stellen. Die Jugendämter können die Leistung nicht mit der Begründung verweigern, dass kein Geld vorhanden ist. Die Kommunen müssen die Dienste auch vorhalten. Es besteht ein Regelrechtsanspruch, d. h. wenn die Voraussetzungen gegeben sind, hat jede Familie einen Anspruch auf diese Leistung. Herr Schulz vom PARITÄTITSCHEN Landesverband Berlin begrüßte die Einrichtung einer temporären Arbeitsgruppe, so wie es die Senatsverwaltung ankündigte, mit Beteiligung von Familienpflegeträgern, Wohlfahrtsverbänden und Jugendämtern. Man strebe ein zeitnahes Ergebnis an. Der PARITÄTITSCHE Bundesverband nehme sich dieses Themas ebenfalls an und erstelle auf Bundesebene eine Arbeitshilfe für die kommunalen Jugendämter, um der Unterstützung von Familien Gewicht zu geben. Es erging ein klarer Auftrag an die Senatsverwaltung für Jugend und Familie, die finanziellen Rahmenbedingungen zu verbessern.

WEG DER MITTE als Veranstalter ist zuversichtlich, dass die Weichen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung des begonnenen Dialogs zum Wohle der Familien gestellt sind.
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