25 Jahre Berliner Woche: Gewinnerin war mit der Stretchlimousine unterwegs

Vergnügen am Boden und ganz oben: Kathleen Neugebauer, die kleine Emily, Freund Gordon und Oma Rita kosteten ihren Erfolg beim Gewinnspiel voll aus. (Foto: Schubert)
 
Vergnügen am Boden und ganz oben: Kathleen Neugebauer, die kleine Emily, Freund Gordon und Oma Rita kosteten ihren Erfolg beim Gewinnspiel voll aus. (Foto: Schubert)

Berlin. Sie hat die höchste Auflage der Stadt - und schenkte einer Familie aus Lichtenberg nun einen Jubiläumstrip in der wohl längsten Ostalgie-Limousine Deutschlands. Die Berliner Woche schmiss ihre Geburtstagsparty erst auf drei weit gespreizten Achsen, dann klangen die Gläser hoch oben im Fernsehturm.

Länger als ein Rolls Royce, cooler als eine US-Limo, sympathischer als jeder Ferrari. Und trotz Totalumbau immer noch Trabant. Das also ist die Geburtstagskutsche. Und dort am Bordstein warten auch schon die Passagiere. Trabi-XXL Chef Sebastian Schneier bringt sein selbst konstruiertes Sieben-Meter-Ungetüm an Kathleen Neugebauers Haustür zum Halt. Und lässt die glückliche Gewinnspiel-Siegerin von der ersten Minute an spüren, dass heute sie und ihre Familie im Mittelpunkt stehen werden. Das gilt ja für Berliner Woche-Leser jeden Mittwoch ohnehin. Und warum sollte es am Geburtstag der Zeitung anders sein?

"Wahnsinn, ich dachte, ihr wolltet mich veräppeln. Ich konnte es am Telefon gar nicht glauben", bejubelt Kathleen ihren Gewinn. Doch es ist wahr. Der Sekt steht schon kalt und Chauffeur Sebastian lässt die Lichtenbergerin auf die luxuriöse Rückbank krabbeln. Mit an Bord: Töchterchen Emily, Freund Gordon und Mama Rita. Und nun geht sie los, die Stadtrundfahrt. Erster Halt: Berliner Dom. Bläschen schweben im Sektglas, Regentropfen perlen auf den Scheiben. Nein, das Wetter können Zeitungsmacher noch nicht beeinflussen. Aber sie bescheren eine spannende Sicht auf das Vertraute. Dieser Trabi hat nicht nur Überlänge, sondern auch ein ausgefeiltes Dach mit zwei großen Ausguckposten. Sektschlürfen und Sehenswürdigkeiten erspähen - ein exklusiver Spaß, der selbst stürmisches Wetter vergessen lässt. Oma Rita, einstmals Besitzerin eines papyrusweißen Trabants, sieht ihre Vergangenheit utopisch verfremdet. "Was für eine tolle Sache", begeistert sie sich über die Tour.

In den Spaß mischt sich dabei auch die Bildung, wenn Sebastian Schneier per Lautsprecher Berliner Geschichte ins Gedächtnis ruft. Noch größer als das Interesse der Insassen an der Umgebung ist allerdings die Neugier der Passanten. An jeder Ecke richten sich Handykameras auf den dreiachsigen Maxi-Trabant, Kinder grinsen, Großeltern winken, Touristen verewigen den Wagen mit "Berliner-Woche"-Banner in Erinnerungsfilmen. Der Trabi-XXL-Boss kennt solche Reaktionen: "Das ist ein echter Sympathieträger. Man bekommt definitiv mehr Aufmerksamkeit als mit einem Sportwagen." Dabei ist die Limo ein Auto zum Langsamfahren: "Beim Quartett würde man damit in jeder Kategorie verlieren. Außer in der Länge."

Um das Äußerste aus den DDR-Genen herauszukitzeln, musste man drei Originalexemplare zusammensetzen. Und die Zwillingshinterachse ist keineswegs übertrieben - andernfalls würde der Wagen wohl zusammenbrechen. Emily staunt aber eher über das Kleinste an diesem Auto: die Scheibenwischer - "wie lustig!" "Die sind schon größer als beim alten Trabant, aber mehr lässt die niedrige Scheibe nicht zu", lacht Sebastian Schneier. Als die Familie am Brandenburger Tor Station macht, stiehlt sie dem Wahrzeichen sofort die Schau. In dieser Stadt ist Aufmerksamkeit nicht leicht zu haben - im Berliner-Woche-Trabi hat Kathleen sie absolut sicher.

Nach einer zweistündigen Schleife bis zur Gedächtniskirche folgt nun bei der Rückkehr in die City Ost der eigentliche Höhepunkt. Mit VIP-Tickets geht es hinauf ins Drehrestaurant des Fernsehturms, wo die Siegerfamilie das Labyrinth der Straßen jetzt von oben sieht. Als kleiner weißer Balken parkt das Auto am "großen Zeh" des Turms, der Berliner Dom steckt seine Kuppel aus der Gischt. Im Westen: die Siegessäule, wie ein Zauberstab mit goldblitzender Spitze. Im Süden: das Tempelhofer Feld als grüner Krater, um den die Häuser einen Bogen machen. Im Norden: Flugzeuge sinken aus den Wolken.

Der Kuchen schmeckt, Emilys Burger erst recht - bei dieser Aussicht! Und die Berliner Woche? Sie gehört zu den erfreulichsten Sendungen, die Kathleen Neugebauer und ihre Liebsten jede Woche im Briefkasten finden, seit 25 Jahren. Gordon erfährt, wo es Rabatt gibt auf die Autowäsche, Kathleen liest mit Neugier News aus dem Kiez. Und Emily? Sie wird groß werden mit einer Zeitung, die zu ihrem Geburtstag lieber der Familie eine Freude machen wollte, als sich selbst zu feiern.


Thomas Schubert / tsc
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Görge Timmer aus Friedenau | 08.05.2015 | 00:14  
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