Der Jugendclub OCB integriert Flüchtlingskinder

Das gemeinsame Kochen gehört zu den beliebtesten Angeboten im Jugendclub OCB, weiß Arsen Baric. (Foto: Wrobel)

Alt-Hohenschönhausen. Vor zwei Jahren öffnete direkt gegenüber dem Jugendclub OCB in der Werneuchener Straße 15 ein Heim für Flüchtlinge. Für die jugendlichen Besucher bedeutet das eine direkte Auseinandersetzung mit den gegenseitigen Vorurteilen.

Auf den ersten Blick geht es im Jugendclub OCB wie in jeder anderen Jugendfreizeiteinrichtung zu: Mädchen und Jungen jagen sich gegenseitig durch die Flure, spielen Hallenfußball, lachen, rufen. Doch so unbeschwert, wie es scheint, ist das Leben vieler der jungen Besucher nicht.

"Gerade die jungen Flüchtlinge sind geprägt von ihrem vorherigen Leben. Sie mussten sich ja immer durchkämpfen. Deshalb sind sie laut und wenig zurückhaltend. Da heißt es immer: Ich, sofort!", sagt der angehende Sozialarbeiter Arsen Baric. Er kennt die Jugendlichen im OCB. Ihm sei es egal, sagt er, ob sie aus Lichtenberg, aus Syrien, Serbien oder Bosnien kommen. "Alle Kids liegen mir am Herzen."

Und doch verbindet den 38-Jährigen ein klein wenig mehr mit den Mädchen und Jungen, die aus dem ehemaligen Jugoslawien flüchteten und nun im Heim in der Werneuchener Straße untergebracht sind. Er selbst wurde in dem Staat geboren, der später in einem Krieg zerfallen sollte.

Noch immer suchen viele Familien mit Kindern und Jugendlichen Schutz vor Verfolgung oder flüchten vor der Armut in ihrer Heimat. "Viele dieser Jugendlichen wissen gar nicht, wie lange sie in Deutschland bleiben können", weiß Arsen Baric.

Eine Konstante im Alltag vieler dieser jungen Flüchtlinge ist der Club OCB, in dem Arsen Baric arbeitet. Die Mädchen und Jungen müssen aus ihrer Unterkunft nur über die Straße gehen, um den Club zu erreichen. "Niemand hat uns darüber informiert, als die Unterkünfte für Flüchtlinge hier eingerichtet wurden", erinnert sich die Leiterin der Jugendfreizeiteinrichtung, Sandra Wiegner. Heute machen die Flüchtlingskinder fast die Hälfte der Besucher des Clubs aus. Wie sehr diese auf Kontakt mit ihrem neuen Umfeld angewiesen sind, weiß Sandra Wiegner seit ihrer Ausbildung zur Pädagogin. Damals betreute sie Flüchtlinge in den Ausländerheimen in der Gehrenseestraße. Deshalb stellte sie sich auch schnell auf die neuen Besucher ein: Sie holte Arsen Baric ins Team. Er ist zwar für alle Jugendlichen da, gleichzeitig aber auch Übersetzer. Denn er versteht es, zwischen den Jugendlichen mit den ganz unterschiedlichen Lebenshintergründen zu vermitteln.

"Da ist Autorität gefragt und das ist wirklich alles andere als Kuschelpädagogik", sagt Baric entschieden. "Es gibt in unserem Club Regeln, die von allen eingehalten werden müssen."

Doch nicht immer helfen Benimmregeln. "Schwierigkeiten bereitet den Jugendlichen oft die Konfrontation mit dem Überfluss in unserer Gesellschaft", weiß Baric, der selbst auf kleinste Dinge ein Auge hat - etwa, wenn sich die Kinder bei einem Fest auf die Chipstüten stürzen, die bei allen Jugendlichen ohnehin begehrt sind. Doch nicht nur die Flüchtlingskinder kämpfen mit dem Ankommen in der Fremde.

Auch die Jugendlichen aus Lichtenberg sehen sich mit fremden Lebenswelten konfrontiert. "Natürlich kommen die gegenseitigen Vorurteile hier besonders schnell hoch. Neid, Rassismus und Homophobie sind da", weiß Baric. "Das Gefühl von {sbquo}die kommen in mein Land und wollen mir etwas wegnehmen’ drücken manche Jugendliche dann ganz direkt aus. Natürlich gibt es Auseinandersetzungen."

Auch ohne verbale oder sonstige Angriffe gebe es Herausforderungen. Etwa, wenn Jungs sich aufgrund ihrer Vorurteile weigern würden, miteinander Fußball zu spielen. Prallen die Welten und Gefühle aufeinander, versuchen die Mitarbeiter des OCB ruhig und sachlich zu vermitteln. "Bei uns hat jeder Platz", das bekommt jeder Jugendliche von Baric zu hören.

Doch auch für den Sozialarbeiter ist es ein "Kraftakt", das den Jugendlichen immer wieder zu verstehen zu geben. Denn nicht immer begreifen sie, was er sagt. "Aber manchmal blicken sie auch hinter die Fassade. Dann beginnen sie zu verstehen, wie das Leben der anderen aussieht."


Karolina Wrobel / KW
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