Abriss erst 2017: BIM will einstige Polizeischule besser sichern

Das Bezirksamt hofft, dass die asbestbelasteten Gebäude der Polizeischule abgerissen werden. Die Arbeiten sind europaweit ausgeschrieben. (Foto: Bernd Wähner)

Blankenburg. Die Blankenburger machen sich Sorgen um die Situation auf dem Gelände der früheren Polizeischule am Blankenburger Pflasterweg. Dort lebten bis Mitte Dezember illegal Menschen aus Südosteuropa.

Die BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH verwaltet das Areal im Auftrage des Senats. Sie ließ in den zurückliegenden Monaten zwar immer wieder die Habseligkeiten der Obdachlosen wegräumen, aber wenig später kamen die wieder. Mitte Dezember ist das Gelände erneut beräumt worden. Außerdem ließ die BIM den Zaun erneuern und verstärkte den Wachschutz.

Ob diese Maßnahmen etwas bringen, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Immerhin ist das Gelände recht unübersichtlich. Alle Bauwerke auf der großen Fläche stehen seit Jahren leer. Viele der Fensterscheiben sind kaputt, Unkraut wuchert überall. Die Gebäude sollen irgendwann abgerissen werden.

Das Land möchte dort Wohnungen bauen lassen. Im Gespräch ist auch, temporäre Unterkünfte für Flüchtlinge zu errichten. Diese könnten später auch als Wohnheim für Studenten oder als Wohnungen für junge Paare genutzt werden. An Konzepten wird bereits gearbeitet. Aber bis dort gebaut wird, wird noch einige Zeit ins Land gehen.

So lange bleibt das Gelände "verschlossen" – zumindest theoretisch. Nachbarn beobachteten Ende des vergangenen Jahres 40 bis 50 Menschen in den Gebäuden, sagt Martin Runge. Der Blankenburger gehört zu jenen, die sich um die Menschen sorgen, die in den kalten, teilweise kontaminierten Gebäuden illegal leben. „Wir versuchten mit dem Runden Tisch Blankenburg und der Kirchengemeinde Kontakt mit ihnen aufzunehmen“, berichtet Runge in einer Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung. Es handelt sich wohl um Roma aus den Orten Craiova und Bailesti sowie Umgebung. Sie leben in den Blankenburger Ruinen immer noch besser und sicherer als in ihrer rumänischen Heimat, gaben sie den Blankenburgern zu verstehen. Die überwiegende Mehrheit bestreite ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf von Straßenzeitungen sowie Betteln, erfuhren die Blankenburger.

Hilfe für bedürftige Menschen

Mitglieder des Runden Tisch Blankenburg und der Kirchengemeinde entwickelten Ideen, wie man die dort lebenden Hilfe bedürftigen Menschen unterstützen könnte. Unter anderem ermöglichte man ihnen, dass sie sauberes Trinkwasser erhalten.

Sorge bereitet den Blankenburgern, dass die NPD das Thema für sich entdeckte und instrumentalisierte. So gab es bereits eine Demonstration der NPD in Blankenburg. Auch seien wiederholt Roma beim Wasserholen schikaniert worden. Gestreute Gerüchte, dass die Zahl der Einbrüche und Diebstähle in Blankenburg zunahm, seit die Roma am Pflasterweg lebten, konnte die Polizei sofort zerstreuen. Laut Polizeistatistik nahm die Zahl der Delikte nämlich im Vergleich zum Vorjahr deutlich ab.

Sozialstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) berichtet, dass sie bereits im vergangenen Sommer beim Runden Tisch in Blankenburg war und mit den Akteuren die Situation diskutierte. Die Roma seien EU-Bürger und können deshalb innerhalb der EU frei reisen, so die Stadträtin. Deshalb halten sie sich auch nicht illegal in Berlin auf. Das Bezirksamt könne diese Menschen leider nicht unterstützen. „Sie dürfen zwar innerhalb der EU frei reisen, aber nur weil sie EU-Bürger sind, ergibt sich daraus kein Anspruch auf Transferleistungen“, erklärt die Stadträtin. Das Bezirksamt setzt sich schon seit längerer Zeit für einen Abriss der asbestbelasteten Gebäude der früheren Polizeischule ein, erklärt Zürn-Kasztantowicz. „Wir wollen, dass das möglichst schnell passiert.“ Die BIM schreibt derzeit den Abriss europaweit aus. Bis ein Abrissunternehmen ausgewählt ist und den Auftrag erhält, dauert es aber seine Zeit. So wird vor 2017 voraussichtlich nichts auf dem Gelände passieren. BW
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