Großsiedlung auf der Elisabethaue? Senator hält Bebauung für alternativlos

Andreas Geisel erklärte auf einem Bürgerforum, warum der Senat so auf eine Bebauung der Elisabethaue drängt. (Foto: Bernd Wähner)
Berlin: Elisabethaue |

Blankenfelde. „Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum und eine angemessene Infrastruktur.“ Mit diesen Worten begründet Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) die vorgesehene Bebauung der Elisabethaue.

Der Senat plant, auf der 73 Hektar großen Fläche den Bau von bis zu 5000 Wohnungen. In diesen könnten bis zu 12.000 Menschen leben. Dass der Senat an diesen Bauplänen festhält, bestätigte Senator Geisel ausdrücklich auf einem Bürgerforum, zu dem der Verein Für Pankow eingeladen hatte. Die aktuelle Situation auf dem Immobilienmarkt sei so angespannt, dass bezahlbarer Wohnraum von 6,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter nur noch auf landeseigenen Flächen zu bauen sei. Hinzu komme, dass nur beim Bau größerer Siedlungen die nötige soziale Infrastruktur gleich mitgebaut werden kann. „Baulückenbebauung schafft keine soziale Infrastruktur“, erklärt der Senator. Die betreffenden Bauherren könnten nicht verpflichtet werden, Schulen, Kitas, Sportanlagen oder Stadtteiltreffs zu schaffen. All das könne nur bei größeren Bauprojekten mit entstehen.

Dass der Senat die Elisabethaue als Areal für großflächigen Wohnungsneubau auswählte, begründet Geisel damit, dass diese landeseigene Fläche bereits seit 1969, also noch zu DDR-Zeiten, als Baugebiet ausgewiesen sei. „Zurzeit ist das Gebiet nur landwirtschaftlich zwischengenutzt“, unterstreicht er seine Auffassung. Der Senator geht davon aus, dass 2019 mit der Bebauung begonnen wird. Er rechnet damit, dass etwa die Hälfte der vorgesehenen Wohnungen von den städtischen Gesellschaften Gesobau und Howoge errichtet wird. Die andere Hälfte könnte durch Genossenschaften und Baugruppen gebaut werden.

Dass es von Anwohnern aus Blankenfelde und Französisch Buchholz Protest gegen die Bebauung der Elisabethaue gibt, ist dem Senator bewusst. Andreas Geisel hofft aber, dass sich die Anlieger in die Erarbeitung des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (Isek) für diese Region mit ihren Bedenken und Anregungen einbringen. Mit dessen Erarbeitung wurde die Planergemeinschaft Kohlbrenner im vergangenen Oktober beauftragt.

Derzeit sei man noch bei der Bestandsaufnahme, berichtet Dr. Ursula Flecken, Vorstand der Planergemeinschaft. Das Isek trägt den Arbeitstitel „Gartenstadt des 21. Jahrhunderts“. Neben Wohnungen würden mindestens eine Schule, fünf Kitas, soziale und kulturelle Einrichtungen, Kleingewerbe und ein Nahversorgungszentrum geplant, so Ursula Flecken.

Bei der Erarbeitung des Isek werde aber nicht nur die Elisabethaue betrachtet, sondern auch angrenzende Gebiete von Niederschönhausen, Französisch Buchholz und Rosenthal. Ziel sei es, möglichst viele Hinweise und Vorschläge von Bürgern zu erfassen und auf ihre Umsetzbarkeit hin zu prüfen. Deshalb wurde kürzlich auch eine erste Bürgerbeteiligungswerkstatt von der Planergemeinschaft veranstaltet. Immerhin 150 Bürger setzten sich mit den Themen Verkehr, Landschaft, Bildungs- und Kultur-Infrastruktur sowie Erholungs- und Eigenheimanlagen auseinander.

Die erste Arbeitsfassung des Isek soll im Juni vorliegen. Sie werde dann in einer Ausstellung präsentiert, erklärt Ursula Flecken. Vorgesehen ist für September eine weitere Bürgerwerkstatt. Danach soll weiter intensiv am Konzept gearbeitet werden. Die Endfassung des Isek könnte im November vorliegen. BW

Eine Dokumentation zum aktuellen Stand der Arbeit am Isek sowie von der ersten Bürgerbeteiligungswerkstatt findet sich auf http://asurl.de/12yo.
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