Wie gut kommen Menschen mit Handicap in Buch voran?

Rainer Michael Lehmann (links) war in Buch mit Menschen mit Handicap unterwegs. (Foto: Lehmann/ Christian Lüdde)
 
Solche Wege, wie im Bucher Wohngebiet, sind für Rollstuhlfahrer kaum passierbar. (Foto: Büro Lehmann/ Christian Lüdde)

Buch. Wie barrierefrei ist der Ortsteil? Dieser Frage gingen kürzlich Menschen mit Handicap, der Behindertenbeauftragte des Bezirks, Detlef Thormann, und Interessierte bei einem Rundgang durch das Bucher Zentrum auf den Grund.

Eingeladen dazu hatten Abgeordnetenhausmitglied Rainer-Michael Lehmann (SPD) und die Arbeitsgemeinschaft Selbst Aktiv in der SPD. Buch ist zum einen „Krankenhausstadt“, zum anderen gibt es hier auch mehrere Pflegeheime. Auch Vereine, wie „Hunde für Handicaps“ haben in Buch ihr Zuhause. Da müsste im Sinne der Inklusion der öffentliche Raum behindertenfreundlich ausgestattet sein, müsste man meinen. Aber ist das wirklich so?

„Wir trafen uns auf dem Bahnsteig des S-Bahnhofs Buch, um zunächst den Fahrstuhl zu testen“, berichtet Rainer-Michael Lehmann. Das Ergebnis: Der Aufzug war funktionstüchtig, der Rufknopf korrekt angebracht. Das ist keine Selbstverständlichkeit auf Berliner Bahnhöfen, weiß Lehmann aus seiner Arbeit als Gesundheits- und Sozialpolitiker im Abgeordnetenhaus.

Rampe für E-Rollis

Positiv wurde von den Teilnehmern auch die Tatsache bewertet, dass der S-Bahnhof Buch am anderen Ende noch eine Rampe besitzt, die alternativ zum Fahrstuhl von E-Rollstühlen genutzt werden kann. Für handbetriebene Rollstühle ist die Rampe allerdings zu steil.

Von dem durch eine Baustelle blockierten und kaum zu befahrenden Bahnhofsvorplatz bewegten sich die Tester in Richtung Bucher Zentrum. Schnell fiel auf, dass grob gepflasterte Einfahrten zu Grundstücken für Rollstühle und Rollatoren ein echtes Hindernis darstellen. „Ich würde mir wünschen, dass auf diese hinderliche Pflasterung bei Neubau oder Sanierung von Einfahrten zukünftig verzichtet wird“, so Lehmann.

Weiter ging es Richtung Einkaufszentrum Schlossparkpassage. Die Rampe neben der Panke-Brücke wurde als gut nutzbar bewertet. Auch die Gehwege zwischen Bahnhof und der Walther-Friedrich-Straße waren weitgehend in gutem Zustand. Teilnehmer berichteten allerdings, dass die Gehsteige im direkten Umfeld der Hauptstraße von Buch aufgrund von großen Baumwurzeln, Plattenanhebungen oder schlecht ausgeführten Reparaturen für Rollatoren und Rollstühle kaum zu nutzen sind.

Bordsteine zu hoch

„Beim weiteren Rundgang fanden wir viele schwer zu überwindende Barrieren vor, wie zum Beispiel fehlerhafte oder schadhafte Bordsteinabsenkungen“, berichtet Lehmann. „Auf dem Weg zum Bucher Bürgerhaus fiel uns auf, dass einige Teilnehmende mit ihren Rollstühlen auf der Straße fuhren, weil die Bordsteinabsenkungen teils sehr steil angelegt waren. Auch Risse und Kanten in notdürftig geflickten Straßen sind für Betroffene schwierig. Da kann man mitten auf der Straße hängen bleiben.“

Viele Rollstuhl- und Rollatornutzer nehmen automatisch Umwege in Kauf, weil die direkten Wege in teilweise so schlechtem Zustand sind, dass es schlichtweg gefährlich ist, dort entlangzufahren. Ein Beispiel hierfür ist ein Fußgängerweg in der Grünanlage gegenüber des Bürgerhauses: Hier ist der Belag in Teilen abgebrochen. Im Bucher Bürgerhaus und seiner Umgebung waren sowohl Zugänge als auch der Fahrstuhl behindertenfreundlich.

Lehmanns Fazit nach dem Rundgang: „Es sind in Buch vor allem die Schäden an Gehsteigen, die Barrieren für Menschen mit Handicap darstellen. Wichtige Knotenpunkte wie das Bürgerhaus, der S-Bahnhof sowie die Schlossparkpassage sind hingegen aus meiner Sicht als überwiegend behindertengerecht einzuschätzen. Bei den Gehsteigen besteht dagegen hoher Nachholbedarf.“ Lehmann fordert: „Bevor künftig Bauprojekte im Straßenland in Angriff genommen werden, sollten Begehungen mit Behindertenverbänden vorgenommen werden.“ BW
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