Die Joachimsthaler Straße feiert Premiere

Hoch lebe Joachimsthal: Seit der Enthüllung des neuen Straßenschilds wird der Bezug zum brandenburgischen Städtchen deutlicher. (Foto: Schubert)

Charlottenburg. Kleine Korrektur für Charlottenburg - großer Effekt für Joachimsthal: Die Berichtigung eines Schreibfehlers auf 19 Straßenschildern ist nun offiziell besiegelt. Es ist die Erfüllung einer Bitte, die Anrainer nichts kosten soll.

Ob man das nagelneue "H" nun in die Adresszeilen schreibt oder es weglässt, das wird der Post herzlich egal sein. "Briefe kommen so oder so an", entkräftete Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) vorbeugend die Bedenken. Doch zur Feierstunde blickte er ausnahmslos in zufriedene Gesichter.

Am glücklichsten wirkte freilich der Joachimsthaler Bürgermeister René Knaak-Reichstein, der mit einer ganzen Delegation zum Schildertausch an der verkehrsreichen Ku’damm-Kreuzung erschienen war. Und so schritten die beiden Amtskollegen ans Werk, zupften an der Kordel - bis diese plötzlich riss. Also brauchte es noch ein paar sportliche Sprünge hinauf zum verbliebenen Zipfel. Aber dann prangte dort oben der Straßennahme Schwarz auf Weiß: Joachimsthaler Straße mit dem lang vermissten "H." Es bleibt abzuwarten, wie viele Passanten den feinen Unterschied bemerken werden. In jedem Fall galt die bisherige Schreibweise der Straße und des gleichnamigen Platzes laut Naumann erwiesenermaßen als Fehler.

"Wir wissen nicht, was wie dazu geführt hat", sagte er zu den geschichtlichen Wirren. Der jetzige Schritt sei keine komplette Umbenennung, sondern ein "minimalinvasiver Akt." Nach Bekanntwerden des Änderungswunsches im vergangenen Winter hatte sich die Umsetzung ohne nennenswerten Widerstand angebahnt. Von der größten bis zur kleinsten BVV-Fraktion trugen alle politischen Akteure das Vorhaben mit. "Wir kaufen ein ,H’", hatte Pirat Siegfried Schlosser den Konsens verkündet. Genauer gesagt beläuft sich die Investition auf etwa 80 Euro pro Schild, was in 19-facher Ausführung 1520 Euro ergibt.

Geht es nach den Bittstellern aus Brandenburg, ist der Schildertausch kein Ausdruck von Kleinlichkeit, sondern im Gegenteil - ein großzügiges Entgegenkommen. Eine Verbeugung des über 300 000 Einwohner starken Berliner City-Bezirks gegenüber dem Schorfheide-Städtchen mit seinen etwa 3300 Seelen. "Es muss ein Funke übergesprungen sein", schlussfolgert Knaak-Reichstein, der damals noch unter seiner Amtsvorgängerin Gerlinde Schneider die Reisegruppe aus Charlottenburg empfing.

"Rechtschreibfehler gehören korrigiert" sagte das neue Stadtoberhaupt nun. "Das bekommt jedes Kind so beigebracht.", ergänzte er. Bleibt noch die Beschilderung des U-Bahnhofs Kurfürstendamm, wo die Wegweiser an mehreren Stellen die Joachimstaler Straße nennen. Bis die korrekte Schreibweise auch unter Tage Einzug hält, kann es noch einige Zeit dauern. Denn die BVG tauscht die Schriftzüge in regelmäßigen Zeitintervallen und nicht direkt auf Verlangen aus.


Thomas Schubert / tsc
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