Dem Meyerinckplatz droht ab Ende April der Verkehrskollaps

Charlottenburg. Einen Vorgeschmack auf die Zukunft gibt es schon jetzt in der Clausewitz-, Sybel- und Giesebrechtstraße, die auf den Meyerinckplatz zulaufen: Fährt dort die Müllabfuhr durch, hält ein Taxi, bringt ein Lkw Material zur nahen Baustelle, geht nichts mehr.

Am idyllischen, platanenumstandenen Platz nahe dem Kurfürstendamm entsteht ein Biosupermarkt. Wo früher das Kino "Kurbel" Filme zeigte, kann man voraussichtlich ab 25. April ökologisch korrekt einkaufen. Der Betreiber des Supermarkts in der Giesebrechtstraße 4/Ecke Sybelstraße 8, die Firma Alnatura, hat allerdings weniger korrekt die zu erwartende, tatsächliche Zahl von Warenlieferungen für seine Filiale genannt. Gegenüber dem Bezirksamt wurden fünf bis acht Fuhren pro Woche angegeben. Das bedeutete ein einfacheres Genehmigungsverfahren. Die Belange der Anwohner mussten nicht beachtet werden. Eine Prüfung, ob die Straßen um den Meyerinckplatz den Liefer- und Kundenverkehr überhaupt verkraften, blieb aus. Das Bezirksamt genehmigte am 13. Januar die Betriebserlaubnis für den Supermarkt. Einen Tag später stellte Alnatura einen neuen Antrag: Es seien jede Woche 34 Lieferungen zu erwarten. Eine nicht hinnehmbare "Salamitaktik" nannte das die Fraktion der Bündnisgrünen und forderte das Bezirksamt auf, die Genehmigung für den Supermarkt zu entziehen.

Die Anwohner sind schon lange erzürnt. Sie haben gegen den drohenden Verkehrskollaps protestiert und sind vor Gericht gezogen - erfolglos. Die Richter waren damals allerdings von acht Lieferungen pro Woche ausgegangen.

Stadtentwicklungsstadtrat Marc Schulte (SPD) hatte am 12. Dezember an die Bürger geschrieben: "Wäre später ein größerer Belieferungsumfang erforderlich, so bedürfte dies einer neuen baurechtlichen Legalisierung unter Würdigung der nachbarrechtlichen Interessen." Heute sagt Schulte, er sei "verzweifelt", weil die rechtlichen Rahmenbedingungen so eng seien. Die alte Genehmigung könne man nicht entziehen. Der neue Bauantrag wird in einem vereinfachten Baugenehmigungsverfahren geprüft. "Der Anwalt von Alnatura hat schon Einspruch erhoben", so Marc Schulte. "Wir werden den Biosupermarkt am Ku’damm nicht verhindern können."


Karen Noetzel / KEN
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