Initiative will Kant-Garagen eine Zukunft geben

Marodes Denkmal: Die 1930 erbaute Hochgarage in der Kantstraße 126/127 ist die letzte original belassene in Deutschland. (Foto: Schubert)

Charlottenburg. Eine altes Parkhaus als Kulturgut? Rund 100 Technikbegeisterte sehen es so. Sie wollen Mitstreiter anwerben, eine Genossenschaft gründen und die Kant-Garagen kaufen.

Es riecht nach Öl, Benzin und Reifengummi. Beton bröckelt von den Wänden. An den Rampen warten schmuddelige Autos auf ihre Reparatur. Überall Graffiti, Bierflaschen und Pneus mit abgefahrenem Profil. Wenn es nach solchen Eindrücken geht, sind die Kant-Garagen reif für den Abriss. Aber unter Eingeweihten, da geht es um etwas anderes: den Wert als letzte erhaltene Hochgarage Deutschlands. Und um eine mögliche Zukunft als Museum des Automobils.

An diese Zukunft glaubt Andreas Barz. Und die erste Zusammenkunft seiner Initiative zur Rettung der Kant-Garagen zeigt, dass er mit seiner Vision nicht allein ist. Barz sitzt bereits im Vorstand der Studentendorfs Schlachtensee. Daher weiß er, wie man um Bauwerke kämpft, die Investoren mit Profitinteresse gerne abräumen würden. "Man kann ein zu Tode geschriebenes Baudenkmal erneuern", sagte Barz in die Runde von 100 Gleichgesinnten. Wenn Geschäftsleute mit Baumängeln und Unwirtschaftlichkeit argumentieren, geht es aus seiner Sicht nur um eines: "Um den hervorragenden Baugrund."

Den kulturellen Wert bewahren möchte Barz mit der Gründung einer Genossenschaft. Sie soll die denkmalgeschützte Kant-Garagen kaufen und ein Konzept entwickeln, das dem Wesen des Gebäudes möglichst genau entspricht. Derzeit wird der 1930 eröffnete Bau von einer Tankstelle und einer Werkstatt genutzt. 1,5 bis 1,7 Millionen Euro, glaubt der Initiator, müsste man für den Kauf zusammenbringen. Eine Summe, die er mit rund 1100 Genossenschaftsmitgliedern stemmen will.

Reichtum an Ideen besteht jetzt schon, wie der Verlauf des ersten Treffens beweist. So präsentierte Architekt Frank Augustin einen Entwurf, der die Ausstellung von Fahrzeugen in den unteren Geschossen und der Wendelrampe vorsieht. Darüber wäre Platz für Büro- oder Hotelräume und Maisonette-Wohnungen. 6 Millionen Euro veranschlagt er für die Sanierung der angegriffenen Substanz.

Noch stärker auf die Automobilkultur eingehen will Frank Seehausen von der TU Braunschweig. Ihm schwebt ein Ausstellungsort für Oldtimer vor. Die Entwürfe seiner Studenten drehen sich darum, wie man Privatsammlungen aus ländlichen Scheunen nach Berlin holt. Dass man zahlungskräftige Sammler oder gar Automobilhersteller anwerben sollte, glaubt auch Andreas Krüger von der Initiative "Stadt neudenken". Er will das Anliegen der Initiative an einen runden Tisch zur Liegenschaftspolitik im Berliner Abgeordnetenhaus diskutieren und Kontakte zur Autolobby herstellen.

Schon mehrfach stand der Abriss des Gebäudes zur Debatte. Stadtentwicklungsstadtrat Marc Schulte (SPD) stellte klar, dass er sich dagegen sperren wird. Zugleich bremste er die Euphorie. Denn der wichtigste Mann im Poker um die Kant-Garagen fehlte: Eigentümer Christian Pepper. Selbst die Gründung einer Genossenschaft sichert aus Schultes Sicht noch keinen Erfolg. "Wenn Pepper nicht verkaufen will, nützen die besten Ideen nichts."


Thomas Schubert / tsc
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