Jobcenter stellt Förderung des Medienpoints ein

Nachdem eine größere Bücherspende eingetroffen ist, ordnen Gabriele Seiferth, Sabina Diambou und Rosemarie Steinkühler die Literatur ein. (Foto: Wecker)

Charlottenburg. Hoffnungsvoll hatte vor fünf Jahren die Arbeit des Medienpoints in der Bismarckstraße 3 begonnen. Nun steht das Bildungsprojekt vor dem Aus. Dabei handelt es sich um einen Sammelpunkt für Bücher, Videos, DVDs, Computerspiele, Lernprogramme sowie Brett- und Kartenspiele.

Die dort gesammelten Medien werden vorrangig sozialen Einrichtungen kostenlos zur Verfügung gestellt. Es ist ebenso möglich, dort Medien als Spenden abzugeben und, wenn Bedürftigkeit vorliegt, sie auch kostenlos mitzunehmen. Anfangs gingen die Mitarbeiter zu Lesungen in Krankenhäuser, Seniorenheime und Jugendeinrichtungen.Die Anzahl der Mitarbeiter ist ständig reduziert worden, sodass zunächst die Lesungen wegfielen. Jetzt fällt ab Dezember die Förderung ganz weg, womit der Medienpoint seine Arbeit einstellen muss. Noch hat der Trägerverein "Kulturring in Berlin" einen bis zum 1. März gültigen Mietvertrag. Ehrenamtlich getragen könnte der Medienpoint deshalb seine Arbeit noch bis zu diesem Zeitpunkt fortsetzen. Die Öffnungszeit würde sich dann aber auf die Nachmittagsstunden reduzieren, sodass er nur noch Montag bis Freitag von 15 bis 18 Uhr geöffnet ist. Darüber werden jedoch die Mitarbeiter entscheiden. Deren Votum lag bis Redaktionsschluss noch nicht vor.

In den fünf Jahren sind über 100 000 gespendete Medien gezählt worden, 65 000 Medien wurden an Bedürftige abgegeben. Waren es am Anfang maximal zwei Besucher täglich, so kommen heute täglich bis zu 25 Besucher. "Wir haben inzwischen Stammkunden, die regelmäßig nach Krimis oder Schallplattenaufnahmen klassischer Konzerte schauen", berichtet Andreas Lüdecke. Andreas Schwarz ergänzt: "Bisweilen kommen Schulklassen, die sich nach Literatur umschauen. Vor allem aber ist der Medienpoint zu einem Treffpunkt geworden, wo die Bürger das Gespräch suchen." Der Medienpoint ist, wie Projektbereichsleiterin Astrid Lehmann sagt, "zu einem festen kulturellen Bestandteil des Kiezlebens geworden, der eine spürbare Lücke hinterlassen wird". Noch hat sie die Hoffnung auf politische Unterstützung nicht ganz aufgegeben, sodass die vorhanden 5000 Bücher und 1000 Schallplatten im Kiez weiter ihre Interessenten finden werden.


Frank Wecker / FW
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