So bemüht sich der Bezirk um seine vielen Bäume

Bäume prägen das Straßenbild im Bezirk auch im Winter. 107 Exemplare pro Kilometer - das ist der Spitzenplatz in Berlin. (Foto: tsc)

Charlottenburg-Wilmersdorf. Bevor sich einer beschwert: Eine Informationsveranstaltung half den Bürgern zu verstehen, wie das Grünflächenamt bei der Pflege des Baumbestands verfährt. Auch in diesem Winter sind Fällungen unausweichlich.

Wenn die Motorsägen wüten, erwacht der Zorn. Dass die Menschen im Bezirk mehr als andere Berliner an ihren Schattenspendern hängen, wissen die Behörden nicht zuletzt dank Beschwerdebriefen. Also setzen sie auf rechtzeitige Bekanntmachungen und veranstalteten in diesem Jahr erneut eine Informationsveranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzzentrum Ökowerk.

Die Gesprächsgrundlage schaffte Walter Schläger, seit rund einem halben Jahr Leiter des Grünflächenamtes und Herr über 44 500 Straßenbäume. "Wir sind überdurchschnittlich ausgestattet", betonte Schläger vorweg. Doch was Freunde grüner Innenstädte erfreuen mag, bedeutet für diejenigen, die das Gehölz pflegen müssen, harte Arbeit. Noch dazu, weil im Vergleich zu anderen Bezirken besonders viele alte Gewächse gesund zu halten sind.

107 Bäume pro Kilometer - damit belegt Charlottenburg-Wilmersdorf im ohnehin schon grünen Berlin mit seinem Durchschnitt von 82,5 einen Spitzenplatz. Dies spricht für eine hohe Dichte, die aber wiederum Schwierigkeiten mit sich bringt. So behindern Altbäume mit majestätischen Kronen das Wachstum der nachgepflanzten Exemplare. Generell will Schläger Standorte sorgfältiger auswählen lassen. Die besondere Entwicklungspflege bei jungen, empfindlichen Bäumen würde er gerne von zwei auf vier Jahre verlängern. Doch dagegen sperrt sich der Senat aus Kostengründen.

Schon jetzt gibt es einen Pflegerückstau bei 7500 Straßenbäumen, der Etat von 2,5 Millionen Euro für ihre Erhaltung ist laut Schläger zu knapp bemessen: "Wir arbeiten mit einem Defizit von 30 Euro pro Baum."

Was Fällungen anbelangt, gibt es verschiedenste Gründe, die Entscheidung liegt letztlich im Ermessen des Prüfers. Selbst augenscheinlich gesund wirkende Riesen können von Schädlingen befallen sein. "Und bei der Verkehrssicherheit ist nicht zu spaßen", warnt Schläger mit Blick auf Schadensersatzansprüche bei Umsturz.

Besonders Ärgerlich: die Beschädigung des Holzes bei Bauarbeiten. "Dies ist im Bezirk ein zentrales Problem", bestätigte Schläger auf Nachfrage einer Bürgerin. Sein Lösungsansatz: "Wir drängen auf eine ökologische Baubetreuung." Dies bedeutet, dass der Verantwortliche des jeweiligen Projektes für den Schutz von Bäumen in die Pflicht genommen wird. Stadtentwicklungsstadtrat Marc Schulte (SPD) will die Regelung in Verträgen verankern lassen. Außerdem ermuntert er Bürger, Beobachtungen von unpfleglichem Umgang mit Bäumen dem Grünflächenamt zu melden.

Sie sollten auch wissen, dass der Bezirk demnächst wieder mit den Folgen von unbedachter Pflanzung zu kämpfen hat: An der Budapester Straße seien Bäume zu dicht gesetzt worden. "Einige werden das nicht überleben", glaubt Schulte.

In solchen Fällen sei es schwer zu vermitteln, warum dort nach der Fällung ein Baumstumpf steckt und kein junger Baum. Den Stumpf zu entfernen, ist zu teuer. Und der neue Spross gehört dorthin, wo er besser gedeiht.


Thomas Schubert / tsc
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