Vorstellungen über die Zukunft der Büchereien gehen auseinander

Wie viele Büchereien braucht der Bezirk? Wegen des Personalabbaus sind Einschnitte wahrscheinlich. Im Bild: Ingeborg-Bachmann-Bibliothek. (Foto: Schubert)

Charlottenburg-Wilmersdorf. Sollte man mehrere Bibliotheken an einem Ort zusammenfassen und dafür attraktiver ausstatten? Diese Idee muss die CDU begraben.

Lesen, das ist ein Vergnügen, das Marion Halten-Bartels gerne außerhalb der Bezirksgrenzen pflegt. Denn um die Bibliothekslandschaft in Charlottenburg-Wilmersdorf ist es aus Sicht der CDU-Bezirksverordneten zu dürftig bestellt. Nicht bei der Anzahl der Niederlassungen, wohl aber bei der Qualität. "Jämmerlich" befindet Halten-Bartels das veraltete Angebot verglichen mit modernen Häusern in Mitte oder Steglitz. "So etwas würde man von einem bildungsbewussten Bezirk nicht erwarten."

In diesem Sinne hatte sich die CDU-Fraktion für eine Zusammenfassung von Bibliotheken ausgesprochen. Lieber weniger Standorte als sieben unterhalten, diese aber auf den Stand der Zeit heben - dies war das Konzept. Weil die SPD die Vielfalt der Lesestätten nicht angetastet sehen will, landete das Thema nun auf der Tagesordnung des Kulturausschusses - mit dem Ziel, eine Zentralisierung zu verhindern.

"Der Preis dafür wäre, zwei kleinere Bibliotheken zu verlieren", warnt Christiane Timper (SPD). Und ihr Fraktionsvorsitzender Holger Wuttig hält Büchereien in Gebieten, in denen sich Menschen nicht ständig neue Bücher oder Medien leisten können, für wichtige Instanzen.

Diese Ansicht teilt der engagierte Bürger Michael Röder. Er empfindet die Büchereien des Bezirks als durchaus gut besuchte, soziale Orte. Ob es sich um "topmoderne Gebäude" handelt, sei dabei nachrangig, sagte er während der Diskussion. Joachim Neu, ebenfalls als Gast im Ausschuss erschienen, empfahl zur Verbesserung der Situation die Zusammenarbeit mit Oberstufenzentren, die ebenfalls über große Buchbestände verfügen.

Anzunehmen, dass die Bibliotheken des Bezirks künftig wie gehabt zu betreiben sind, hält Kulturstadträtin Dagmar König (CDU) für einen "Denkfehler". Im Zuge des Personalabbaus stünden neun Mitarbeiter vor dem Ausstieg. Wenn sie in Rente gingen, würde höchstens die Hälfte von ihnen ersetzt. Damit stünden zwei Standorte auf der Kippe. Die Lösung: "Wir müssten sie in eine andere Trägerschaft überführen, um sie zu erhalten", sagt König. Dabei denkt sie an Kiezvereine - in manch anderem Bezirk seien solche Gruppen an den Bücherregalen schon aktiv.

Weil auch die Grünen-Fraktion eine Zentralisierung ablehnt und gemeinsam mit der SPD dagegen stimmte, wird König ohne zusammengefasste Standorte planen müssen. Wie sich das Bezirksamt auf dieser Grundlage die Zukunft der Bibliotheken vorstellt, wird frühestens Ende März spruchreif. Dann präsentiert es sein Standortkonzept.


Thomas Schubert / tsc
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