Ein lauschiger Irrtum: das über Jahre krampfhaft erstellte Buch „Natur entdecken“ in Pankow

Gut gestaltet: REIMER Verlag, Cover von Natur entdecken in Pankow. Foto: Pressestelle REIMER
 
Pfarrer-Hurtienne-Platz in Französisch Buchholz, mit Findlingen und wertvollem Baumbestand. Foto: Anne Schäfer-Junker
Berlin: Kirche Französisch Buchholz |

Es ist keiner der freudvollen Spaziergänge durch Pankow, sondern ein in Kapitelüberschriften nach Ortsteilen gegliedertes Paperback.

Viele Jahre sind bei der Erstellung dieses Buches vergangen. Das Ergebnis macht eher nicht mit dem neuesten Stand der Grün-Entwicklung vertraut und reizt auch nicht sich auf „Entdeckungen“ zu begeben, wie der Titel „Natur entdecken“ suggerieren will. Bricht man das als Taschenbuch gedruckte fulminante Werk mit einem Rücken von 2,5 cm Breite auf seine inhaltliche Substanz herunter entsteht bei diesem für Pankow so dringend benötigten Werk ein fragwürdiger Eindruck. Darüber können auch nicht die gute Darstellung einzelner Biotope wie Fauler See und Botanischer Volkspark Blankenfelde hinwegtäuschen und die Namen guter Autoren. Warum ein solches Buch eine Redaktion aus Amtsinhabern des Bezirksamtes braucht ist nicht erkennbar und legt eher die Vermutung der Vermeidung von Kontrollverlust nahe.

Es ist nicht leicht, das Grün in den Stadtanlagen und die teilweise bedeutende Botanik und die Biotope des ständig an Einwohnerzahlen wachsenden Bezirkes Pankow zu erfassen und für ein „Kompendium“ auszuwählen. Grundlage sollten dabei auch die amtlichen Register der Senatsverwaltung sein, die meistens in hoher Qualität alle Fakten bieten und zum Teil die bezirklichen Gegebenheiten fachlich auf hohem Niveau darstellen.

Das trifft besonders auch für das nördliche Gebiet Pankows zu. Während beispielsweise in Prenzlauer Berg jede kleine Rasen(Hunde)ecke mit einem Kunstwerk im Öffentlichen Raum genannt wird, ist das bedeutende Werk von Michael Klein in Französisch Buchholz „Nike“ dem schriftführenden Pankower Museumsleiter keine Erwähnung wert. In der Kulturdenkmalliste des Bezirksamtes steht es heute noch mit dem Vermerk: Künstler unbekannt. Dabei ist diese Skulptur in ihrem Symbolgehalt und in ihrer qualitätsvollen Ausführung der geistige Dreh- und Angelpunkt am Hugenottenhof, neben der historischen Apotheke und dem ehemaligen hugenottischen Pfarrhaus. Sie bildet den künstlerisch gestalteten historischen und kunstgeschichtliche Kontrapunkt zu der dritt ältesten Dorfkirche Berlins mit ihren religionsphilosophischen und geistigen Bezügen. Diese findet gleichfalls in ihrer Bedeutung mit keinem Wort Erwähnung, trotz grüner Angerlage. Dieses bedeutende Dorf-Ensemble wird als solches in seiner Denkmaleigenschaft nirgends erwähnt. Was für ein faux pas! Hingegen wird der nun wirklich in diesem Zusammenhang nicht bedeutende Bürgerverein in grünem Kasten „geparkt“. Sponsoren im Impressum zu nennen würde ausreichen!

Habent sua fata libelli! Das gilt nicht nur für Leser und Besitzer von Büchern, sondern auch für deren Entstehung. Von einem Buch über die Grünflächen und grünen Flecken eines so großen Bezirkes wie Pankow darf man dann aber nach mehrjährigem Bemühen getrost umfassend Gültiges erwarten. Dass man dieses Buch überhaupt zur Hand nimmt, ist das Verdienst des gestaltenden Verlages. Wenn man nicht eigentlich lesen wollte, könnte man sagen: ein schönes Paperback – viel Grün, typografisch und gestalterisch übersichtlich mit hoher Papierqualität.

Eine Schande sind die geologisch und stadthistorisch falschen Inhalte bei der Erwähnung des Peter-Lenné-Parks und Victoria-Parks mit Beistellung eines gemeingültigen Luftbildes, das einen Neubau zeigt. Dass das Bezirksamt Pankow, die untere Denkmalbehörde, offenbar den Lenné-Park aus der Gartendenkmalliste entlassen hat, fällt nur der Ortschronistin auf. Aber wir wissen ja: Papier ist geduldig und unhandliche Bücher werden schnell wieder weggelegt, da sie keine Orientierung bieten. Ignoranz und kulturelle Bildung schließen sich aus. Bleibt zu hoffen, dass die nunmehrige Unterstellung des Landesdenkmalamtes Berlin in der Ägide des Berliner Kultursenators zu zwingend fachlichen Durchsetzungsmöglichkeiten befähigt wird. Allerdings die Schande am Hugenottenplatz fällt nicht unter den Denkmalschutz. Immerhin aber erzeugen die roten und weißen Kastanien besonders jetzt im Frühling die Assoziation eines grünen Park-„Platzes“.

Bei einer Neuauflage – unbedingt wieder im REIMER-Verlag und dann unter der fachlichen Ägide der Garten- und Denkmalpflege – müssen diese Fehler dringend vermieden werden: eine 13bändige solide Ausgabe für alle 13 Pankower Ortsteile (auch diese Struktur ist falsch dargestellt) wäre eine Lösung – gern auch im Schuber und zur Verwendung bei Radtouren. Dann dürfte auch erfahrbar sein, dass die Karower Teiche zu Französisch Buchholz gehören und das Thema Findlinge und eiszeitliche Geschiebe bei der Radtour mit der Ortschronistin vom Findling an der Buchholzer Dorfkirche bis zum Naturdenkmal „Großer Stein“ anschaulich und faktenreich erlebbar wird.
Anne Schäfer-Junker

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