Die Siegerin beim Vorlesewettbewerb kommt aus der Traveplatz-Schule

Rosa Luca Rippe und ihr Siegerbuch. Fünfmal hat sie bereits die Geschichte von Maia gelesen. (Foto: Frey)

Friedrichshain-Kreuzberg. Zuerst mussten die Schüler einen Auszug aus einem selbst gewählten Buch vortragen. Wer es damit in die Endrunde schaffte, bekam einen fremden Text zum Rezitieren vorgelegt.

Nach diesen beiden Aufgaben stand die Gewinnerin im diesjährigen Bezirksentscheid beim Vorlesewettbewerb fest. Sie heißt Rosa Luca Rippe, ist elf Jahre alt und kommt von der Grundschule am Traveplatz.

19 Teilnehmer waren Mitte März in der Pablo-Neruda-Bibliothek an den Start gegangenen, um den besten Vorleser aus Friedrichshain-Kreuzberg zu ermitteln. Alle hatten sich zuvor in ihren Schulen durchgesetzt. Der Wettbewerb wird jedes Jahr bundesweit vom Börsenverein des deutschen Buchhandels für die sechsten Klassen durchgeführt.

Beim Treffen auf Bezirksebene ist es auch immer wieder spannend, welche Bücher in dieser Altersgruppe gerade besonders angesagt sind. Fantasy-Literatur liegt zwar weiter gut im Rennen, dominierte dieses Mal allerdings nicht so wie in manchen Jahren zuvor. Und neben neuen Büchern entschieden sich manche Kandidaten auch für bereits vor Jahrzehnten erschienenen Klassiker wie etwa "Momo" von Michael Ende.

Rosa Luca Rippe las aus ihrem derzeitigen Lieblingsbuch "Maia oder Als Miss Minton ihr Korsett in den Amazonas warf" von Eva Ibbotson. Die Geschichte spielt Anfang des 20. Jahrhunderts. Maias Eltern sind bei einem Zugunglück gestorben. Sie wird von England aus zu entfernten Verwandten nach Brasilien geschickt. Schnell stellt sich aber heraus, dass die sie nur aufgenommen haben, um an das Erbe des Mädchens zu kommen. Maias Abenteuer präsentierte die Elfjährige ebenso gekonnt wie im Finale einen Auszug aus dem Buch "Saranormal" der Autorin Phoebe Rivers. Ein Werk, bei dem es vor allem um Geister geht.

Realistische Geschichten interessieren Rosa Luca am meisten. Und am Lesen gefällt ihr vor allem, dass man dabei seiner Phantasie freien Lauf lassen kann. "Es entstehen eigene Bilder, anders, als wenn man sich einen Film anschaut", sagt die Siegerin. Zwei bis drei Bücher schaffe sie in einem Monat. Sie bevorzugt auch weiter die Papierausgabe und nicht das E-Book. Und mit ihrer Leselust stehe die Schülerin in ihrer Klasse auch nicht allein da.

Überhaupt scheinen Kinder und Jugendliche - allen düsteren Prognosen zum Trotz - weiter Spaß am Buch zu haben. Zumindest wenn man die Leistungen der Teilnehmer am Vorlesewettbewerb zum Maßstab nimmt. Die meisten lieferten einen professionellen Vortrag ab. Viele klebten nicht nur an den Seiten, sondern suchten Augenkontakt zum Publikum. Und einige machten aus ihrem Auftritt sogar eine kleine Inszenierung. Aber natürlich handelte es sich bei dieser Runde auch um die Besten. Bei denen übrigens erneut die Mädchen klar dominierten und 14 der 19 Teilnehmer stellten.

Rosa Luca vertritt Friedrichshain-Kreuzberg jetzt bei der Berliner Landesausscheidung im Mai. Der Bundessieger wird am 17. Juni ebenfalls in Berlin gekürt.


Thomas Frey / tf
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