Nur zwölf Straßennamen sind weiblich

Seit November 2006 erinnert die Tamara-Danz-Straße an die 1996 gestorbene Silly-Sängerin. Sie führt von der Mühlenstraße in Richtung O2 World. (Foto: Frey)

Friedrichshain-Kreuzberg. In den vergangenen Wochen hat es eine heftige Debatte über die Benennung des Platzes vor der neuen Akademie des Jüdischen Museums gegeben. Er soll nach einem Beschluss der BVV vom 24. April jetzt Fromet- und Moses Mendelssohn-Platz heißen.

Mit Fromet Mendelssohn wird damit, zumindest zur Hälfte, auch eine weitere Frau als Namensgeberin im öffentlichen Raum gewürdigt. Diese Bedingung machten vor allem die Anhänger, die einen BVV-Beschluss aus dem Jahr 2005 grundsätzlich umgesetzt wissen wollen. Der besagt, dass Straßen und Plätze in Friedrichshain-Kreuzberg bei Um- und Neubenennungen nur noch weibliche Namen tragen dürfen. Das soll so lange gelten, bis einigermaßen Parität zu den schon vorhandenen männlichen Bezeichnungen gegeben ist.Das wird allerdings trotz mancher Anstrengungen wohl noch einige Generationen dauern. Denn nach aktuellem Stand sind in Friedrichshain-Kreuzberg derzeit 125 Straßen nach Männern benannt. Aber nur zwölf nach Frauen. Bei den Plätzen sieht das Verhältnis etwas besser aus. 15 erinnern hier an männliche, fünf an weibliche Persönlichkeiten.

Immerhin zwei der fünf Bibliotheksstandorte im Bezirk haben eine Namensgeberin. Dafür nur neun Schulen, gegenüber 28, die nach Männern heißen. Und lediglich ein Sportplatz, nämlich das Lili-Henoch-Stadion am Anhalter Bahnhof trägt den Namen einer Frau.

Aufgelistet hat diese Zahlen Baustadtrat Hans Panhoff (B 90/Grüne) in der jüngsten BVV-Sitzung als Antwort auf eine entsprechende Anfrage seines Parteifreundes Christian Honnens. Mit ihnen sollte wohl noch einmal verdeutlicht werden, warum es so wichtig ist, den Frauenbeschluss möglichst ohne Abstriche umzusetzen. Wobei das ohnehin passiert. In den vergangenen Jahren wurden Straßen und Plätze nach Frauen benannt. Etwa die neuen Verbindungen auf dem Anschutz-Areal, oder auf der Stralauer Halbinsel. Auch Umbenennung gab es. So wurde aus dem Groebenufer das May-Ayim-Ufer.

Aber eine über Jahrhunderte dauernde Männerdominanz lässt sich nicht in kurzer Frist verändern. Und letztendlich hat selbst eine erreichte Gleichberechtigung auf Straßenschildern allenfalls symbolischen Wert. Schon deshalb sollte das ganze Verfahren in Zukunft etwas weniger dogmatisch vonstatten gehen und solche peinliche Debatten, wie zuletzt bei Moses Mendelssohn künftig verhindert werden. Denn es wird immer wieder Straßen und Plätze geben, für deren Namenspatron sich auch ein Mann anbietet. Aktuelles Beispiel ist die im vergangenen Jahr aufgekommene Diskussion um eine Umbenennung der Zimmerstraße nach dem Maueropfer Peter Fechter.

Außerdem ist Friedrichshain-Kreuzberg selbst bereits zwei Mal vom Frauenbeschluss abgewichen. 2005 wurde aus weiten Teilen der Kochstraße die Rudi-Dutschke-Straße und seit 26. April heißt die Gabelsbergerstraße Silvio-Meier-Straße.


Thomas Frey / tf
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