Verwaltungsgebäude haben eine schlechte O2-Bilanz

In Friedrichshain-Kreuzberg sind mehr Menschen mit dem Fahrrad unterwegs, als mit dem Auto. (Foto: Frey)

Friedrichshain-Kreuzberg. Erst vor wenigen Tagen haben Klimaforscher erneut Alarm geschlagen. Der CO2-Ausstoß in der Bundesrepublik ist zuletzt, entgegen der Vorgaben und Ziele, wieder gestiegen.

Daran ändern auch die Bemühungen in Friedrichshain-Kreuzberg nichts. Natürlich hat im Grün dominierten Bezirk dieses Thema eine hohe Priorität. Das zeigt sich bereits dadurch, dass es hier sogar eine Klimaschutzbeauftragte gibt. Deren Klimaschutzbericht macht aber gleichzeitig deutlich, dass Anstrengungen in dieser Richtung auch anderen Zwängen, vor allem finanzieller Art, unterworfen sind.

Etwa bei den öffentlichen Gebäuden. Hier hat es in den vergangenen Jahren zahlreiche Sanierungen in Richtung mehr Energieeffizienz gegeben. Das habe sich bereits positiv auf die Betriebskosten ausgewirkt, vermerkt der Bericht. Auch wenn sie nach aktuellen Zahlen zuletzt wieder gestiegen sind. Unterm Strich bleibt aber richtig, dass Investitionen hier nicht nur gut für das Klima sind, sondern zumindest mittelfristig Geld sparen. Allerdings muss zunächst ein hoher Betrag in die Hand genommen werden, der häufig nicht zur Verfügung steht. Das gilt vor allem für einige Gebäude, die sich als wahre Klimakiller erweisen. Allen voran das Rathaus Kreuzberg. Die Kosten, die ein CO2-neutraler Umbau dort verursachen würden, sind kaum zu beziffern.

Nebenwirkungen kann ein Mehr an Klimaschutz auch für private Haushalte haben. Energetische Gebäudesanierungen führen dort häufig zu Mietsteigerungen und damit zum Wegzug weniger solventer Bewohner. Gerade das - Stichwort Gentrifizierung - soll aber eigentlich verhindert werden. Als einen, zumindest kleinen, Lösungsbeitrag empfiehlt der Bericht weitere Angebote und Informationen, die dazu beitragen, dass jeder Bürger in seinen vier Wänden mit Strom, Wasser oder Heizung sparsam umgehen kann.

Eine Art Musterknabe ist der Bezirk dagegen in Sachen motorisierten Individualverkehr. Auf 1000 Einwohner kommen hier lediglich 268 Autos, im Berliner Durchschnitt sind es 412. Nur etwa 17 Prozent der Bevölkerung nutzt den PKW oder das Motorrad als regelmäßiges Fortbewegungsmittel. Rund ein Drittel sind zu Fuß unterwegs. Jeder vierte Kreuzberger sowie 16 Prozent der Friedrichshainer fahren mit dem Fahrrad. In Friedrichshain greifen die Anwohner dagegen stärker auf den öffentlichen Nahverkehr zurück (34 Prozent), als in Kreuzberg (26 Prozent).

Auch die Mitarbeiter des Bezirksamtes absolvieren einen Großteil ihrer Dienstwege per Pedes, Rad, Bus oder Bahn. Ein "personalisiertes Kraftfahrzeug", sprich einen Dienstwagen haben weder die Bürgermeisterin, noch die Stadträte.


Thomas Frey / tf
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