Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz vor dem Jüdischen Museum eingeweiht

Der Fromet- und Moses-Mendelssohn-Platz mit der Akademie des Jüdischen Museums. (Foto: Frey)
 
Cilly Kugelmann (links) und Jana Borkamp vor dem neuen Platzschild. Im Hintergrund ist der Eingang des Jüdischen Museums zu sehen. (Foto: Frey)

Kreuzberg. Am Ende reichte ein Ruck. Mit vereinten Kräften entfernten Kulturstadträtin Jana Borkamp (Bündnis 90/Grüne) und Cilly Kugelmann, Geschäftsführerin des Jüdischen Museums das Tuch vor dem bis dahin verdeckten Schild.

Zum Vorschein kam der Name des Platzes vor der Akademie gegenüber dem Haupthaus in der Lindenstraße. Er heißt jetzt nach Moses Mendelssohn (1729-1786), Philosoph und Aufklärer, sowie seiner Frau Fromet (1737-1812). Ganz exakt lautet die Bezeichnung Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz.

Die Zeremonie am 11. September dauerte nur eine gute Viertelstunde. Umso länger war ihre Vorgeschichte. Zahlreiche Diskussionen, Symposien, Ausschuss- und BVV-Debatten gab es, bis der Doppelname feststand. Er war am Ende ein Kompromiss, um vor allem den beiden Hauptakteuren gerecht zu werden.

Da war zum einen der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, der schon seit Jahren darauf pocht, dass bei Um- und Neubenennungen von Straßen und Plätzen nur noch Frauen gewürdigt werden dürfen. Nur wenn es politisch opportun erscheint (Rudi Dutschke, Silvio Meier) durfte es in Ausnahmefällen ein Mann sein. Auch gegen Moses Mendelssohn hatte die Mehrheit der Bezirkspolitiker Einwände. Sein Nachteil war nur sein falsches Geschlecht.

Beim Jüdischen Museum, dem anderen wichtigen Akteur in dieser Causa, hatte sich Moses Mendelssohn dagegen nach und nach als Favorit herausgeschält. Auch weil andere Vorschläge ausschieden, da die Namensgeber keinen Bezug zu Berlin hatten, was ebenfalls eine Vorgabe war. Oder bereits anderswo gewürdigt werden.

An Moses Mendelssohn erinnert aber bisher keine Straße und kein Platz in der Stadt. Nicht nur aus diesem Grund wollte das Museum irgendwann nicht mehr von ihm lassen. Und musste sich deshalb ins Gender-Gefecht begeben.

Daran erinnerte Cilly Kugelmann bei der Einweihung noch einmal ironisch. Seit der Gründung Berlins vor 760 Jahren bis in die jüngste Vergangenheit seien hier vor allem Herren im öffentlichen Raum gewürdigt worden. Nehme man die Forderung ernst, dass so lange kein männliches Wesen mehr zum Zuge kommen soll, bis die Frauenparität erreicht sei, dann könne sich jeder ausrechen, wie lange das dauert. Sie verriet außerdem, dass die schließlich gefundene Benennung einem genervten Zwischenruf zu verdanken ist. "Als es immer wieder darum ging, dass Moses Mendelssohn eben ein Mann sei, meinte jemand, dann nehmt halt seine Frau mit dazu."

So rückt jetzt auch Fromet Mendelssohn ins Rampenlicht und das völlig zu Recht, fand Jana Borkamp. Das Paar habe eine Ehe auf Augenhöhe geführt und sei damit seiner Zeit voraus gewesen. Schon deshalb sei der Doppelname alles andere als nur ein kleinster gemeinsamer Nenner.

Die Stadträtin beklagte noch einmal manche nach ihrer Ansicht völlig deplatzierte Beiträge während der Debatte. Und das Ringen um Mendelssohn wollte sie am Ende nicht missen. "Wir haben alle viel dabei gelernt."

Fromet und Moses Mendelssohn standen danach auch im Mittelpunkt einer Veranstaltung in der Akademie des Jüdischen Museums. Sie wurde musikalisch umrahmt von der Musik ihrer beiden Enkel, Fanny Hensel und deren Bruder Felix Mendelssohn Bartholdy.


Thomas Frey / tf
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