Ende eher unspektakulär: Gerhart-Hauptmann-Schule ist nicht mehr besetzt

Demonstranten vor der Gerhart-Hauptmann-Schule. Die Besetzer hatten das Gebäude schon vor der Räumung verlassen. (Foto: Thomas Frey)
Berlin: Gerhart-Hauptmann-Schule |

Noch einmal erlebte der Kiez einen Hauch von Ausnahmezustand. Gesperrte Straßen für Autos, Polizisten an den Kreuzungen, Gitter vor dem Gebäude.

Aber alles nicht zu vergleichen mit anderen Einsätzen in der Vergangenheit. Auch die Protestgemeinde wurde zwar noch einmal vorstellig, ihre vereinzelten Rufe klangen aber eher nach Abgesang.

So endete am 11. Januar die fünfjährige Besetzung des Südflügels der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule an der Ohlauer Straße eher unspektakulär. Auch deshalb, weil sich bei der Räumung keiner der Besetzer mehr in dem Gebäude befand.

Das wenig dramatische Finale steht im Gegensatz zu den Auseinandersetzungen um die Schule. Ende 2012 als vorübergehendes Notquartier für Flüchtlinge besetzt, entwickelten sich daraus in der Folgezeit chaotische Zustände. Mehrere hundert Menschen hielten sich zeitweise dort auf. Es kam zu Gewaltdelikten mit einem Mord als traurigem Höhepunkt.

Im Sommer 2014 willigten fast alle Bewohner ein, das Gebäude zu verlassen. Mit Ausnahme von etwa zwei Dutzend, die drohten, sich vom Dach zu stürzen. Ihnen sicherte der Bezirk schließlich ein vorübergehendes Bleiberecht zu. Dessen Ende er dann nach mehreren Versuchen im Juli 2017 mit einem Räumungstitel vor Gericht einklagen konnte. Er wurde jetzt vollstreckt. Die jahrelange Besetzung hat Friedrichshain-Kreuzberg rund fünf Millionen Euro gekostet. Ein Großteil davon für den Wachschutz.

Vorgesehen ist bisher, in dem Gebäudeteil ein internationales Flüchtlingszentrum einzurichten. Eine organisierte Flüchtlingsunterkunft existiert bereits im Nordflügel. Auf der Freifläche soll der sogenannte Campus Ohlauer entstehen mit Wohnungen, ebenfalls für Geflüchtete aber auch obdachlose Frauen und Kinder sowie Studenten. Ein Projekt für das, trotz vieler Proteste, inzwischen Baurecht besteht.

Aber es gibt auch weiterhin Stimmen, die eine ganz andere, nämlich die alte Nutzung auf dem Gelände fordern: Die Gerhart-Hauptmann-Schule soll wieder Schule werden.
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