Stadtplanungsamt hat Einwände gegen neue Nutzung

Derzeit kein schöner Anblick. Der Eingang zur geschlossenen Toilette an der Yorckstraße. (Foto: Frey)

Kreuzberg. Eigentlich schien alles klar. Die seit Jahren geschlossene unterirdische Toilettenanlage an der Ecke Mehringdamm und Yorckstraße soll zu einem Veranstaltungsort umgebaut werden.

Diesem Konzept eines Konsortiums um den Restaurant- und Clubbetreiber Sascha Disselkamp erteilte ein Auswahlgremium des Bezirks im Frühjahr 2014 den Zuschlag. Das Votum stand am Ende eines zwei Jahre und zwei Anläufe dauernden Bewerbungsverfahrens. Möglichst schnell wollten die neuen Betreiber danach mit den Arbeiten beginnen.

Doch bis heute tut sich nichts. Grund sind Einwände des Stadtplanungsamts. Dort wird weiter geprüft, ob eine andere Nutzung außer als WC überhaupt zulässig ist. Denn der Standort auf dem Mittelstreifen gilt als öffentliches Straßenland. Er ist damit für einen öffentlichen Betrieb zumindest weitgehend eingeschränkt.

Nicht nur Sascha Disselkamp wundert sich, dass diese Bedenken erst nach dem ganzen Ausschreibungs- und Vergabeverfahren ein Thema geworden sind. "Wenn mir ein Privatmann das WC angeboten hätte, wäre ich zunächst bei den Stadtplanern vorstellig geworden und hätte mich erkundigt, ob ich da etwas machen kann." Da aber der Bezirk selbst als Anbieter aufgetreten sei, sei er natürlich davon ausgegangen, dass alles bereits mit den zuständigen Stellen abgesprochen wurde.

"Wir haben immer davor gewarnt, dass es bei den Vorgaben, wie sie die BVV formuliert hat, Schwierigkeiten geben könnte", meint dagegen Baustadtrat Hans Panhoff (Bündnis 90/Grüne). Der Stadtrat und die Grünen-Fraktion standen einem Umbau von Anfang an skeptisch gegenüber. Panhoff hätte das unterirdische Bauwerk am liebsten zugeschüttet. Eine Mehrheit im Bezirksparlament sah das aber anders.

Derzeit gehe es darum, sowohl den Einwänden gerecht zu werden, als auch einen künftigen Betrieb zu ermöglichen, betont er. Was nicht ganz einfach sei. Ein Bauantrag hätte im August schon deshalb abgelehnt werden müssen, weil dessen Schwerpunkt auf Schankwirtschaft mit einem Eventlokal gelegen habe. "Das klang zu sehr nach einem Club und der ist hier auf keinen Fall genehmigungsfähig."

"Was wir einrichten wollen, ist ein bewirtschafteter Veranstaltungsort, an dem es Ausstellungen, Lesungen und auch Musikveranstaltungen geben soll", erklärt Sascha Disselkamp. "Und abgesehen davon wie man Club definiert, spricht schon die relativ geringe Größe von etwa 90 Quadratmetern dagegen, dass sich hier zum Beispiel ein neues Berghain etabliert."

Er und seine Mitstreiter haben im Dezember einen neuen Bauantrag eingereicht, der derzeit geprüft wird. Bei weiteren Detailfragen seien sie natürlich kompromissbereit, sagt Disselkamp - so lange das Vorhaben nicht völlig gestoppt wird.


Thomas Frey / tf
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