Alle Besetzer mussten die Cuvry-Brache verlassen

Kreuzberg. Schon seit Wochen wurde über die weitere Zukunft der besetzten Cuvry-Brache zwischen Schlesischer Straße und Spreeufer spekuliert. Das Ende kam jetzt schneller als erwartet.

Grund dafür war ein Großfeuer, das dort am Abend des 18. September ausbrach. Drei Behausungen, in denen Afrikaner lebten, wurden wahrscheinlich nach einem Streit angezündet. Als Tatverdächtige ermittelte die Polizei sechs Männer aus Polen und Estland, die vorläufig festgenommen, aber inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt wurden. Sie lebten ebenfalls auf dem Grundstück.

Nach dem Brand flohen die meisten Besetzer vom Gelände. Es wurde während der Löscharbeiten und der anschließenden Spurensicherung von einem Großaufgebot an Einsatzkräften abgesperrt. Und dabei blieb es. Den bisherigen Bewohnern wurde noch erlaubt, in Begleitung der Beamten einige Habseligkeiten aus ihren Hütten zu holen. Wo sie jetzt unterkommen ist fraglich. Einige campierten am 21. September demonstrativ auf der Schlesischen Straße. Dabei kam es zu vereinzelten Auseinandersetzungen mit der Polizei, die noch immer mit zahlreichen Beamten vor Ort ist. Auch eine Sicherheitsfirma ist inzwischen auf dem Gelände im Einsatz. Am Morgen des 22. September rückten Arbeiter und Bagger zu Aufräumarbeiten an.

In den vergangenen zwei Jahren war die rund 12 000 Quadratmeter große Fläche nach und nach okkupiert worden. Flüchtlinge, Obdachlose, Aussteiger oder Roma-Familien ließen sich hier nieder. Ihre selbst gezimmerten Häuser hatten weder Strom noch Wasser. Ihr Hüttendorf bekam deshalb zuletzt den Beinamen "Berlins erste Favela".

Seit 2012 gehört das Gelände dem Investor Artur Süßkind. Er will dort ein neues Wohnviertel mit Einzelhandelsgeschäften errichten. Für das Bebauungsplanverfahren ist der Senat zuständig, der dem Bezirk bereits vor mehr als zehn Jahren die Verantwortung für das Areal entzogen hat. Bei den Verhandlungen mit dem Eigentümer geht es derzeit vor allem um den Anteil preisgünstiger Wohnungen, die hier entstehen sollen. Wahrscheinlich im kommenden Frühjahr soll das Verfahren abgeschlossen sein.


Thomas Frey / tf
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