Krankenhaus eröffnet nach Sanierung eine neue Abteilung

Lichtenberg. Wie die Krankheit Epilepsie behandelt werden kann, das erforschen Ärzte in einer neuen Abteilung im Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH).

"Traktor fahren, das kann ich nur in Begleitung. Ich falle nämlich mitten am Tag ganz unfreiwillig in den Schlaf", erzählt ein 52-jähriger Landwirt aus Mecklenburg. Er nicke dann einfach weg, sagt der Patient. Die dritte Nacht in Folge verbringt er daher im hochmodernen Schlaflabor der neu eröffneten Abteilung Epileptologie im Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge.

Ob der Mann an einer Epilepsie oder doch an einer Narkolepsie leidet, das klären nun Spezialisten der Neurologischen Schlafmedizin. Über zwei videoüberwachte Plätze verfügt das KEH, das darüber hinaus in der neu eröffneten Epileptologie rund 50 vollstationäre Betten zur Diagnose und Therapie von Patienten mit Epilepsie hat.

Mehr als zehn Plätze davon sind für Menschen mit geistiger Behinderung vorgesehen. Es gibt zudem spezielle Betten für junge Menschen und Erwachsene. Ein Team aus Neuropsychologen, Sprachtherapeuten und Physiotherapeuten sowie Pflegern sorgt für das Wohl der Patienten.

Rund zehn Millionen Euro kostete die Sanierung des Hauses 2 auf dem Gelände nahe der Rhinstraße, das nun mit der Abteilung Epileptologie eine umfassende Palette an medizinischer Versorgung von Epilepsie-Patienten leisten kann. Rund 8,9 Millionen Euro kamen dabei vom Land Berlin.

Die Erweiterung der Abteilung um zwei videoüberwachte Betten dient dabei der schlafmedizinischen Diagnostik, die Verdachtsmomente auch auf andere neurologische Erkrankungen überprüft. Hier werden Patienten mit ungeklärten Schlafstörungen während ihres Schlafes gefilmt, dabei werden ihre Lebensfunktionen wie etwa die elektrische Aktivität des Gehirns (EEG), die Atemfrequenz und die Muskeltätigkeit über Tag und Nacht gemessen und dokumentiert.

"Schlafstörungen können ein Zeichen für Epilepsie sein, doch es können auch andere Erkrankungen vorliegen", weiß der Leiter der Epileptologie im KEH, Prof. Dr. med. Martin Holtkamp. Die zwei sogenannten "Polysomnographieplätze" grenzen durch die Beobachtung und Dokumentation die Art der Erkrankung ein.

Holtkamp erforscht seit Jahren die komplizierte und gar nicht so seltene Erkrankung Epilepsie, die nur bei vielen Menschen so leicht ausgeprägt ist, dass sie fast gar nicht auffällt. Deshalb ist eine gründliche Diagnose wichtig.

Bei anderen Menschen wiederum beeinflusst die Krankheit den Alltag durch unfreiwillige Bewusstseinsverluste und Anfälle mit Muskelzuckungen. Im neuen Schlaflabor des KEH wird auch von den Ärzten umfassend geprüft, welche Therapie für welche Patienten am wirksamsten ist. "Auch ein chirurgischer Eingriff kann bei einer Epilepsie helfen", sagt Martin Holtkamp, der auch Medizinischer Direktor des Epilepsie-Zentrums Berlin-Brandenburg ist. Das ist ein Netzwerk, dem auch die Epilepsieklinik Tabor in Bernau und die Klinik für Neurologie der Charité angehören. So werden chirurgische Eingriffe nicht am KEH durchgeführt, sondern auch an der Charité.

Weitere Informationen gibt es unter www.keh-berlin.de.

Karolina Wrobel / KW
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