Das war der heißeste Rocktreff aller Zeiten

Trotz Hitze und Fußball-WM fanden sich vom 4. bis 6. Juli bis zu 8000 Zuschauer beim 30. Tempelhofer Rocktreff und dem parallelen Spielfest ein. (Foto: HDK)

Mariendorf. In sengender Hitze, Petrus muss verrückt geworden sein, und trotz WM fanden zum 30. Tempelhofer Rocktreff insgesamt geschätzte 7000 bis 8000 Besucher den Weg ins Sportstadion im Volkspark Mariendorf. Darunter auch Bezirksprominenz.

16 Amateurbands aus ganz Deutschland heizten dem Publikum bei der von Andie Kraft und Christian Körper moderierten und von Ed Koch nur noch im Schweiße seines Angesichts koordinierten Veranstaltung unter der Schirmherrschaft von BV-Chefin Petra Dittmeyer (CDU) ein. Da staunte und schwitzte selbst der offizielle Veranstalter, Jugendstadtrat Oliver Schworck (SPD), nicht schlecht und ließ sich auf der Bühne sogar zu einigen Hip-Hop-ähnlichen Verrenkungen während seiner Begrüßungsrede hinreißen. "Es war der wärmste Rocktreff, oft hat sogar nur geregnet", waren sich alle Beteiligten am Schluss einig.

Dass der Rocktreff nun 30 wurde, ist im Wesentlichen einem Mann zu verdanken: Professor Michael Abu Dakn, Chefarzt der Frauenklinik des Tempelhofer St. Joseph-Krankenhauses. Neben dem Medizinstudium spielte er (Keyboard und Gesang) Anfang der 1980-er Jahre in Bands mit klingenden Namen wie "Darkness" oder "Die GmbH".

"In Tempelhof war zu dieser Zeit absolut nichts los und Jugendliche, die musikalisch irgendwie ihr eigenes Ding machen wollten, hatten kaum eine Chance. Es gab etwa vier fünf Bands im Bezirk, aber außer in Jugendfreizeiteinrichtungen, keinerlei Auftrittsmöglichkeiten", erinnert sich der 53-Jährige. Mit einem Trick - er gaukelte den Verantwortlichen im Rathaus Tempelhof eine gewaltige Musikszene vor - leierte Abu Dakn dem damals zuständigen Stadtrat 5000 Mark und die Genehmigung für den ersten Rocktreff am 14. September 1984 im Volksparkstadion aus dem Kreuz.

"5000 Mark waren für uns damals eine gewaltige Summe, mit der wir überhaupt nicht gerechnet hatten." Abu Dakn und seine Leute nahmen das Geld, taten sich mit der RockIni der evangelischen Kirchenjugend um Tommi Müller zusammen und ließen schließlich das erste, noch eintägige Open-Air-Konzert mit fünf Bands im Volkspark Mariendorf steigen. "Mehr Open Air ging nicht, selbst die Bühne hatte kein Dach", erinnert sich Abu Dakn. Dieser erste Rocktreff ist inzwischen Legende. Längst hat die Bühne eine Überdachung und "eine Technik, die höchsten professionellen Ansprüchen genügt", freut sich Matze Kraft von der Rockinitiative. Insgesamt ist die alljährliche, mittlerweile über drei Tage gehende und weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Veranstaltung kaum noch wegzudenken. Bands aus Nah und Fern reißen sich heute förmlich um einen Auftritt ohne Gage bei dem Open-Air-Spektakel, dem größten und zudem eintrittsfreien Amateurbandfestival Berlins.


Horst-Dieter Keitel / hdk
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