Archäologen entdecken bei Grabungen zwei alte Siedlungen

Der Archäologe René Bräunig erklärt bei einer Führung den Grundriss eines slawische Blockhauses aus dem 6. Jahrhundert. (Foto: KT)

Marzahn. Das Wuhletal muss immer schon ein interessantes Siedlungsgebiet für Menschen gewesen sein. Archäologen haben nun Reste von zwei Siedlungen entdeckt, die aus dem 6. und 8. Jahrhundert stammen.

Die IGA 2017 ist für Archäologen ein wahres Geschenk. Rund 3000 Jahre Geschichte liegen an der Stelle in der Erde verborgen, an der einmal die Seilbahnstation zur IGA 2017 stehen wird.

Im Zuge der Bauarbeiten müssen jetzt zwischen Blumberger Damm und Kienberg auf einer Fläche von zwölf Hektar die oberen Erdschichten abgetragen werden. So haben die Archäologen viel Platz für Grabungen. Im südlichen Teil der Gärten der Welt können sie dabei einen Blick in die frühe Siedlungsgeschichte des Bezirks Marzahn-Hellersdorf werfen.

Dabei sind sie knapp einen halben Meter unter der Erdoberfläche auf Reste von Häusern, Feuerstellen, Brunnen und Getreidespeichern gestoßen. Nach Angaben der Archäologen wurden Siedlungshäuser einer slawischen und einer germanischen Siedlung freigelegt. Der wichtigste Fund für die Forscher war aber ein Getreidespeicher, der rund 800 Jahre vor Christus angelegt worden ist. "Dafür war der lehmige Boden im Wuhletal besonders geeignet", erläutert der Archäloge René Bräunig. Die Menschen haben eine Grube ausgehoben, das Getreide hinein geschüttet und alles mit einer Lehmschicht abgedeckt. Der äußere Rand des Getreides verrottete und bildete damit eine undurchlässige Schicht. Auf diese Weise konnten die Menschen Getreide bis zu sieben Jahren einlagern.

Im 6. und 8. Jahrhundert haben unterschiedliche Bevölkerungsgruppen im Wuhletal gesiedelt. "Die Menschen haben damals an Flussläufen gewohnt", erklärt Bräunig.

Damit war die Wasserversorgung gesichert. Das Oberflächenwasser war für die Tiere gedacht, die Menschen bauten für ihr eigenes Trinkwasser Brunnen. Zunächst waren es slawische Stämme, die aber in der ersten Hälfte des 6. Jahrhundert diese Region wieder verlassen haben. "Die unterschiedlichen Siedler sind sich nicht begegnet", sagt Bräunig.

Früher waren die Archäologen noch der Auffassung, dass sich in dieser Zeit slawische und germanische Stämme getroffen haben und sich vermischt haben. Heute gehen die Forscher davon aus, dass zwischen den Besiedlungsphasen 150 bis 200 Jahre lagen.


Klaus Tessmann / KT
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