Konzentriert am Computer arbeiten

Videos statt Tabellenkalkulation: Unterhaltsame Ablenkung ist im Netz oft nur einen Mausklick weit entfernt. (Foto: Franziska Koark)

Ob witzige Videos oder lustige Tweets: Schon ein neugieriger Klick kann Internetnutzer schnell von ihrer eigentlichen Arbeit ablenken. Und selbst mit viel Disziplin kann eine wichtige E-Mail oder ein Anruf schnell jede Konzentration zerstören.

Teilweise sei dieses sogenannte Multitasking gar nicht zu vermeiden, sagt der Produktivitätstrainer Ivan Blatter. "Das ist keine produktive Arbeitsweise, da gibt es unzählige Studien zu", sagt er. "Man kommt aber trotzdem nicht darum herum." Wichtig sei aber, sich gleichzeitig "stille Zeiten" zu erkämpfen, in denen man nicht erreichbar ist und für 30 bis 90 Minuten pro Tag konzentriert an einer Sache arbeitet.

Dabei helfen können Programme wie Freedom, die den Internetzugang für einen vorgegebenen Zeitraum komplett abschalten. Muss der Nutzer doch einmal wieder ins Netz, hilft nur ein Neustart des Rechners. "Das Programm kappt einfach die Netzwerkverbindung und baut sie nach Ablauf eines Countdowns wieder auf", erklärt Axel Vahldiek von der Computerzeitschrift "c’t" die Funktionsweise von Freedom. "Sofern der Netzwerktreiber mitspielt, spricht da nichts gegen." Allerdings sei das Programm dadurch auch fast überflüssig. Den Internetzugang kann schließlich jeder Nutzer selbst abschalten. Ein Netzwerkkabel ist schnell gezogen, und die meisten Notebooks haben einen physischen Schalter, der das WLAN deaktiviert. Im Zweifelsfall wird einfach der Router abgeschaltet.

Wer das Netz nicht zum Arbeiten braucht, kann sich so ganz auf seine Arbeit konzentrieren. Wer gelegentlich etwas nachschauen oder berufliche E-Mails verschicken muss, nimmt sich so aber die Arbeitsgrundlage. Praktischer in solchen Fällen ist das kostenlose Programm Cold Turkey für Windows, Mac-Nutzer greifen zum Beispiel zu SelfControl. Mit beiden Helfern werden nur bestimmte Seiten oder Dienste gesperrt, die besonders viel Zeit fressen, darunter zum Beispiel Facebook, Twitter und YouTube. Der Nutzer kann auch eigene Sperrlisten anlegen, der Rest des Internets steht aber weiterhin offen.

Im Vergleich zu Freedom lässt sich Cold Turkey, einmal aktiviert, auch nicht ohne weiteres austricksen: Über den Taskmanager ist es nicht abschaltbar, auch ein Neustart des Rechners lässt die Sperre unbeeindruckt. Selbst die Deinstallation funktioniert nicht ohne weiteres, denn dazu ist ein kleines Tool notwendig, das extra von der Webseite des Entwicklers heruntergeladen werden muss. Der Nutzer ist also relativ sicher von allen Ablenkungen abgekapselt.

Manchmal meint es das Programm aber offenbar auch zu gut. In Internetforen finden sich zahlreiche geplagte Nutzer, denen Cold Turkey und ähnliche Programme zum Beispiel nach einem fehlerhaften Update dauerhaft Teile des Internets gesperrt haben. Entfernen lässt sich das Tool dann nur noch durch die Systemwiederherstellung oder über die Registrierungsdatenbank von Windows - für Laien ist das eher nicht zu empfehlen.

Andere Programme gegen Ablenkung setzen nicht auf Sperren, sondern wollen den Nutzer beim Zeitmanagement unterstützen. Viele von ihnen setzen auf die populäre sogenannte Pomodoro-Methode für Zeitmanagement. Das bedeutet: 25 möglichst unterbrechungsfreie Minuten pro Aufgabe. Zu den kostenlosen Programmen, die die Methode verwenden, gehören zum Beispiel Focus Booster und Pomodairo. Gesperrt wird mit den Timern aber nichts. Disziplin muss der Nutzer also selbst mitbringen.

Informationen und Programme: Freedom (http://asurl.de/u7i), Cold Turkey (http://asurl.de/u7j), SelfControl (http://asurl.de/u7k), Focus Booster (http://asurl.de/u7l), Pomodairo (http://asurl.de/u7m).

dpa-Magazin / mag
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