Umzug für die Lehre: Jugendwohnen kann ein guter Start sein

Im Jugendwohnheim Marienheim in München hat Elisabeth Braun (links) immer einen Ansprechpartner. Wenn sie Fragen hat, kann sie etwa zur Leiterin Schwester Anna Flasza gehen. (Foto: Verena Wolff)

Für die Ausbildung viele Hundert Kilometer umziehen: Für viele Jugendliche ist das ein großer Schritt. Auch die Eltern haben oft Bedenken. Kommt der Nachwuchs überhaupt schon alleine in einer Wohnung klar? Dann kann Jugendwohnen eine gute Alternative sein.

Rund 550 Jugendwohnheime gibt es in Deutschland. Sie bieten für Jugendliche zwischen 14 und 27 Jahren Unterkunft, Verpflegung und sozialpädagogische Begleitung. Etwa 200 000 junge Leute nutzen die Einrichtungen pro Jahr. "Wer sich für die komplette Ausbildungszeit einmietet, bekommt in der Regel ein Einzelzimmer", erklärt Matthias von Schlichtkrull-Guse. Er ist Referent beim Verband der Kolpinghäuser in Köln, dem größten Träger für Jugendwohnheime. Wenn Azubis hingegen für den Blockunterricht in der Berufsschule nur ein paar Tage oder Wochen ins Jugendwohnheim kommen, schlafen sie meist in Mehrbettzimmern.

Schellingstraße, München-Schwabing: Passanten eilen über den Bürgersteig, junge Menschen sitzen im Café in der Sonne. Mittendrin: das Marienheim. Hier wohnt seit einiger Zeit Elisabeth Braun (17). Sie macht auf einem Bio-Bauernhof in Aidling am Riegsee eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin. In den ersten zwölf Monaten muss sie das Berufsgrundschuljahr in München absolvieren. "Wenn ich die Strecke täglich fahren müsste, wäre ich mehr als vier Stunden im Zug unterwegs", erzählt sie.

Immer wieder müssen Jugendliche für ihren Ausbildungsplatz zu Hause ausziehen. Nach dem DGB-Ausbildungsreport ist es etwa rund jeder Siebte (15,1 Prozent). Die meisten wechseln ihren Wohnort allerdings innerhalb des Landkreises. "Nur 3,2 Prozent der Jugendlichen ziehen innerhalb des Bundeslandes um", sagt Jan Duscheck. Er ist Bundesjugendsekretär der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) in Berlin. Weitere 2,9 Prozent sind es innerhalb Deutschlands.

Nicht nur für die gesamte Ausbildung ziehen junge Leute zu Hause aus: Auch der Unterricht an den Berufsschulen wird zunehmend geblockt und zentralisiert. Während dieser oft mehrwöchigen Veranstaltungen müssen Jugendliche ebenfalls irgendwo unterkommen, sagt Holger Seibert vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Berlin. Jugendwohnen kann dann eine Alternative sein.

Das Besondere an den Jugendwohnheimen ist, dass die Auszubildenden nicht auf sich allein gestellt sind. "Zentraler Bestandteil unseres Angebotes ist die pädagogische Begleitung", erzählt Schlichtkrull-Guse. Die Preise variieren je nach Ort und Wohnheim. Sie unterscheiden sich auch danach, ob die Jugendlichen Zuschüsse bekommen, vom Arbeitgeber, vom Ausbildungsbetrieb oder der Arbeitsagentur. mag
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