Buch zitiert aus Denkschriften und Briefen Friedrichs II.

"Steig herab von deinem hohen Sockel" möchte man dem Monarchen zurufen, nachdem man sich mit seinen Schriften und seiner Persönlichkeit befasst hat. (Foto: Caspar)

Berlin. König Friedrich II. von Preußen, den die Mit- und Nachwelt einen Großen nannte, schrieb unermüdlich, wenn er nicht gerade im Krieg war oder die Flöte blies. Er hinterließ ein immenses literarisches Werk. Der Historiker, Journalist und Berliner-Woche-Autor Helmut Caspar hat sich diese Hinterlassenschaft genauer angesehen und darüber ein Buch veröffentlicht.

Der König verfasste zahllose Studien über Geschichte, Philosophie, Politik, Militärwesen, Wissenschaft, Ökonomie, Literatur und andere Bereiche, aber auch amtliche Schriften, Proklamationen, Edikte und vieles andere mehr. Hinzukommen unzählige Briefe, die er an Verwandte und gekrönte Häupter, aber auch in manchmal ruppigem Ton an Beamte, Militärs, Künstler, Gelehrte und Leute aus dem Volk schickte. Autor Helmut Caspar hat in seinem neuestem Buch viele Zitate Friedrichs des Großen - alle in deutscher Übersetzung - zusammengestellt, die vor allem die Janusköpfigkeit des Königs zeigen.

1740 mit 28 Jahren auf den Thron gelangt, fühlte er sich sowohl zum Kriegsgott Mars als auch zu den Musen hingezogen, kümmerte sich als allwissender Landesherr um das Wohlergehen seiner Untertanen und setzte dort mit Waffengewalt eigensüchtige Ruhm- und Machtinteressen durch.

Bei der Lektüre der Zitate ist es nicht zu übersehen, dass der königliche Schöngeist und Feldherr sehr genau darauf achtete, wie die Zeitgenossen ihn wahrnahmen und dass er in den Geschichtsbüchern einen erstklassigen Rang einnimmt. Das Buch endet mit zum Teil wenig schmeichelhaften Äußerungen von Personen, die den am 17. August 1786 in seinem geliebten Schloss Sanssouci verstorbenen, als zynisch und menschenunfreundlich bekannten Monarchen noch selber erlebt hatten, ergänzt durch Urteile von Historikern und Publizisten aus späterer Zeit.

Helmut Caspars Buch behandelt unter anderem die von der einschlägigen Literatur wenig beachtete Frage, wie denn der Monarch seine Staats- und Kriegsausgaben finanziert hat, wie Löhne und Preise in seinem Reich beschaffen waren und wie er seine Luxusbedürfnisse und Prunkbauten bezahlte. Dargelegt wird auch, was es mit den Schatullrechnungen auf sich hat, die im Geheimen Staatsarchiv Dahlem liegen. Der König ließ sich nicht nur während der Schlesischen Kriege von der mit Frankreich verfeindeten britischen Krone bezahlen, er griff auch zu dem Privatleuten streng verbotenen Mittel der Münzfälschung, um seine Militärausgaben bestreiten zu können. Dass er auch noch dem Wahn anhing, aus unedlem Metall Gold herstellen zu können, passt eigentlich nicht zu dem "aufgeklärten" Monarchen. Seinen Untergebenen befahl er, über diese dunkle Seite seiner Persönlichkeit zu schweigen, weil er sich sonst vor der Welt "ridikül", also lächerlich machen würde.

"Ich bin der erste Diener meines Staates" ist mit 356 Seiten und zahlreichen Abbildungen in der edition bodoni erschienen und für 18 Euro im Buchhandel (ISBN 978-3-940781-51-2) erhältlich.

Helmut Caspar / HC
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