Am 24. Mai feiern die Berliner gemeinsam mit Nachbarn

Haroun Sweis, Maik Eimertenbrink, Reinhilde Godulla, Ulrike Pohl und Birgit Monteiro: Auf dem Schild steht auf Arabisch "Fest der Nachbarn". (Foto: Martin)

Berlin. Dies ist das Rezept für eine unkomplizierte Kennenlern-Aktion: Man nehme Tische und Stühle, stelle sie in den Hof, garniere das Ganze mit bunten Luftballons und lade Menschen ein, die nebenan wohnen. Am 24. Mai wird es an vielen Orten in Berlin beim Fest der Nachbarn so sein.

So auch beim Verband für sozial-kulturelle Arbeit (VskA) in der Tucholskystraße 11. Im Hof des VskA macht am 24. Mai der Orientexpress Station, im Gepäck ein Beduinenzelt: ausgelegt mit Teppichen und Matratzen, geschmückt mit bunten Tüchern und kostbaren Trachten.

"Wir haben einen Kalligrafen eingeladen, der die Vornamen der Besucher in arabischer Schrift zeichnet, außerdem ist Handbemalung mit Henna-Ornamenten im Angebot", sagt Haroun Sweis, Leiter des Orientexpress‘. "Dazu gibt es traditionelle Flötenmusik, passend zu Falafel, Weinblättern und Tee mit Kardamon und Zimt."

Um Kennenlernen geht es beim Fest der Nachbarn. "Wir müssen im Kleinen beginnen, wenn sich die Großen verstehen sollen", sagt Birgit Monteiro, Geschäftsführerin des VskA und Mitglied der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin. "Deshalb gibt es kein Festkomitee, jeder kann und soll mitmachen." Wie gut das "Kleine" funktionieren kann, hat Maik Eimertenbrink selbst erlebt.

Er ist beim VskA unter anderem für die Fest-Organisation zuständig. "Im vergangenen Jahr hatte ich bei einem Nachbarn geklingelt, den ich nur vom Sehen kannte, und ihm spontan ein frohes Fest der Nachbarn gewünscht. Erst war er verdattert, dann freundlich, und jetzt grüßen wir uns."

Genau darum geht es: Anonymität aufheben, ins Gespräch kommen und sich helfen. "Das ist leichter, wenn man sich schon mal gesehen hat", sagt Reinhilde Godulla, die im Projekt Network in der Jugendarbeit tätig ist. Der VskA hat deshalb seine direkten Nachbarn - die Jüdische Gemeinde, die Paritätische Akademie, einen Copy-Shop und die Wohngemeinschaften im Haus - eingeladen.

Ulrike Pohl vom VskA-Projekt "Inklusion konkret" liegt eine Bevölkerungsgruppe besonders am Herzen. "Wir hoffen, dass auch viele Menschen mit Behinderungen zum Fest kommen." Es gelte nach wie vor, nicht nur sichtbare Barrieren abzubauen, sondern auch Berührungsängste. Deshalb gibt es Fest-Flyer auch mit Blindenschrift und ein Video in Gebärdensprache.

Bisher liegen rund 50 Anmeldungen berlinweit vor. Beispiele: ein Gemüsefest, ein Nachtflohmarkt, ein Familienpicknick. Geht es nach dem Verband, sollen es noch viel mehr werden. Jeder kann sein eigenes Fest der Nachbarn planen und im Internet für alle einsehbar auf www.das-fest-der-nachbarn.de/mitmachen veröffentlichen. Materialien wie Luftballons, Flyer, Ansteckbuttons und Malbücher können beim VskA abgeholt werden.

Das Fest der Nachbarn beim VskA startet um 14 Uhr. Drei Stunden später beginnt dann die Lange Nacht der Familien, unter anderem mit Märchen im Zelt. Zuvor aber, pünktlich um 17 Uhr, sollen nicht nur an der Tucholskystraße 11 viele bunte Luftballons in den Berliner Himmel steigen.

Erstmals findet das Fest der Nachbarn in Kooperation mit der Langen Nacht der Familie statt, die seit 2011 veranstaltet wird. Dabei gibt es einiges zu entdecken. Etwa die Papierwege auf dem Abenteuer-und Bauspielplatz Forcki auf dem Forckenbeckplatz: Papier wird hergestellt und bedruckt; es gibt einen Lichterweg aus Papierleuchten und eine kleine Ausstellung über den interessanten Werkstoff.

In Köpenick, im Kinder-, Jugend- und Familienzentrum FEZ, Straße zum FEZ 2, heißt es ab 19.30 Uhr "Im Land des grünen Klees." Besucher treffen irische Kobolde, lauschen Geschichten des Seemanns Kilkenny und hören Irish Folk.

Weitere Informationen und Termine zum Fest der Nachbarn gibt es unter www.das-fest-der-nachbarn.de, zur Langen Nacht der Familie unter www.familiennacht.de.

Ulrike Martin / uma
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