Virtuelles Konzert im Holocaust-Denkmal

Schauspielerin Iris Berben mit graviertem Stein. Sie engagiert sich sehr für das Holocaust-Denkmal und unterstützt das Konzert-App-Projekt. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Schauspielerin Iris Berben hat am Holocaust-Mahnmal sogenannte Internet-Pflastersteine mit einem eingravierten QR-Code für Smartphones verlegt. Es war ein einzigartiges Musikereignis am 9. Mai 2008. 24 Musiker der Berliner Kammersymphonie spielten im Holocaust Denkmal auf ihren Instrumenten. Dabei standen die Musiker verteilt im ganzen Stelenfeld.

Sie konnten ihre Kollegen nicht sehen und waren nur über Monitore miteinander verbunden. Für die über 3000 Zuhörer war das 17 Minuten lange Stück "Vor dem Verstummen", das Komponist Harald Weiss zum dritten Jahrestag der Eröffnung des Stelenfeldes eigens für diesen Ort komponiert hatte, ein außergewöhnliches Musikerlebnis. Je nachdem wo sie gerade standen, hörten sie die Instrumente wie Klarinette oder Posaune intensiver oder leiser.

Jetzt kann jeder dieses Konzert noch einmal hören. Der Internetunternehmer und jüngstes Mitglied im Vorstand des Förderkreises Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Daniel-Jan Girl, hat ein Programm für Handys entwickelt, mit dem man das Konzert virtuell erleben kann. Dazu wurden die 24 Instrumente extra noch einmal eingespielt "und in eine 3D-Welt gebaut", wie Girl erklärt. Wer das Konzert im App-Store - gibts derzeit nur für iPhone, Android-App soll folgen - herunterlädt, hört die Instrumente genauso, wie es damals auch war. Per GPS erkennt das iPhone den aktuellen Ort des Besuchers inmitten des Denkmals mit den 2711 Betonstelen. Je nach Standort verändert sich beim Laufen die Intensität der Instrumente. Entfernt man sich vom Posaunisten, wird das Instrument entsprechend leiser. Kommt man den Pauken oder der Sängerin näher, erhöht sich die Lautstärke. Es ist so, als würde man an den 24 im Stelenfeld verteilten Musikern vorbeispazieren. Das war beim realen Konzert vor sechs Jahren nicht so einfach möglich. 3000 Zuhörer standen dicht an dicht in den Gängen.

Um die App herunterzuladen, braucht man nur mit dem Handy den QR-Code auf den Pflastersteinen scannen, die rund um das Mahnmal verlegt wurden. Die 23 Granitblöcke haben 6000 Euro gekostet und wurden von der Stiftung Berliner Sparkasse finanziert. Schauspielerin Iris Berben, die auch Botschafterin im Raum der Namen ist und sich für den Förderkreis des Holocaust-Denkmals engagiert, hat die ersten Internet-Pflastersteine verlegt. Die 30.000 Euro für die Programmierung der Konzert-App haben verschiedene Sponsoren übernommen. Die App "Virtual Concert" ist kostenlos. Weil sie mit 180 Megabyte sehr groß ist, steht an der Cora-Berliner-Straße ein kostenloses W-LAN zur Verfügung.

Informationen im Internet unter www.virtuelleskonzert.com.

Dirk Jericho / DJ
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