Nur ausgeschlafene Schüler können gut lernen

Gerade Schulanfänger müssen in kurzer Zeit viele neue Informationen verarbeiten. Dazu brauchen sie viel Konzentration und genügend Pausen. (Foto: Jens Schierenbeck)

Eltern wollen in der Regel nur das Beste für ihr Kind. Dazu gehört auch eine erfolgreiche Schullaufbahn. Manche sind deshalb sehr ehrgeizig und versuchen, die Gedächtnisleistung des Kindes durch Gehirnjogging oder Lernspiele anzukurbeln. Doch das ist nicht unbedingt eine gute Idee.

Wichtig sei, dass Eltern nicht zu viel verlangen und das Lerntempo ihres Kindes akzeptieren, betont Klaus Seifried vom Berufsverband der Deutschen Psychologinnen und Psychologen. "Man muss Kindern verschiedene Entwicklungszeiten geben." So sei es durchaus möglich, dass manche den Lernstoff der ersten und zweiten Klasse in einem Jahr bewältigen, während andere drei Jahre dafür bräuchten.Ob Lernspiele sinnvoll sind, ist umstritten. Der Gedächtnisforscher Prof. Karl-Heinz Bäuml ist der Ansicht, dass Eltern sich und ihrem Nachwuchs das ersparen können, weil sich damit kein Transfereffekt bezogen auf Gedächtnisleistungen erzielen lässt. Die Entwicklungspsychologin Ines Wilhelm hält dagegen: "Das Gedächtnis ist wie eine Art Muskel, den man trainieren kann." Neue Informationen könne es dann besser aufnehmen. Hat ein Kind Spaß an den Spielen, sei das okay. Eltern sollten aber nicht darauf beharren - und vor allem deswegen nicht die Zeit für Ruhephasen reduzieren.

Denn ausreichender und regelmäßiger Schlaf ist das A und O für einen erfolgreichen Schulbesuch. "Die Gedächtnisbildung findet im Schlaf statt", erklärt Wilhelm. "Das Gehirn übt im Schlaf sozusagen weiter." Das so stabilisierte Wissen sei weniger anfällig dafür, von später hinzukommenden Inhalten überschrieben zu werden. Da Grundschüler in kurzer Zeit viele neue Informationen erhalten, bräuchten sie genug Pausen zum Verarbeiten.

Die nötige Schlafmenge ist Wilhelm zufolge bei Kindern variabel. Im Mittel bräuchten Sechs- bis Neunjährige neun bis zwölf Stunden Schlaf pro Nacht. Hat ein Kind zu wenig Pausen, werden die zuvor gelernten, noch nicht ausreichend verankerten Informationen überschrieben. Die Forscherin rät daher, dass der Nachwuchs so lange wie möglich Mittagsschlaf hält.

Es sei aber nicht dramatisch, wenn ein Kind mal etwas weniger schläft als normalerweise - Hauptsache, es schläft sonst regelmäßig. Das heißt, ein Schulkind sollte möglichst immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen und zur gleichen Zeit geweckt werden. "Ein unregelmäßiger Rhythmus führt zu Schlafstörungen", warnt Wilhelm. Auch Fernsehen oder Computerspielen vor dem Zubettgehen sei nicht förderlich.

Halten sich Eltern nicht daran, kann das spürbare Folgen haben: Grundschüler, die zu spät ins Bett gehen, seien oft hibbelig und hätten Konzentrationsprobleme, sagt Seifried. Sie würden dann schnell mit der Diagnose ADHS (Zappelphilipp-Syndrom) abgestempelt.


dpa-Magazin / mag
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