Internationale Designer entwickeln neue Spielgeräte

Siegfried Zoels mit dem Rollstempel-Spiel, das die israelische Designerin Naama Agassi beim jüngsten Workshop entwickelte. (Foto: BW)

Prenzlauer Berg. Das bunte Geschicklichkeitsspiel mit Kugeln, ein neuartiges 3D-Memory oder das Rollstempelspiel: Das alles sind Spielzeuge, die man in der Spielzeugabteilung eines Kaufhauses nicht erwerben kann.

Doch das Haus im Hinterhof in der Immanuelkirchstraße 24 quillt über von diesen und unzähligen weiteren Spielgeräten. Siegfried Zoels macht es sichtlichen Spaß, Besuchern die Spielgeräte vorzuführen. Mit diesen werden beispielsweise Gleichgewichtssinn, motorische Fähigkeiten, Tastsinn oder das Auge geschult. Zoels ist Initiator und Geschäftsführer des Vereins "Fördern durch Spielmittel - Spielzug für behinderte Kinder". Die Vereinsarbeit ist weltweit so einmalig wie genial. Deshalb wird sie auch von der UNESCO gefördert. "Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen seit vielen Jahren Kreativworkshops", erklärt Zoels. Etwa 20 Designer, Therapeuten und Techniker aus unterschiedlichen Ländern werden für zwei Wochen eingeladen. Sie hospitieren dann bei behinderten Kindern und Erwachsenen, erleben hautnah deren Probleme, aber auch ihre Möglichkeiten. Dann setzen sie sich zusammen und entwickeln Spielzeuge, die von Behinderten gleich ausprobiert werden. Zum Abschluss gibt es eine Präsentation. In der Regel werden so innerhalb von zwei Wochen rund 30 neue Spielzeuge entwickelt. Und was Behinderte zum Spielen animiert, kann automatisch auch von nicht behinderten Kindern als Spielzeug verwendet werden. Vor wenigen Tagen fand der diesjährige Kreativworkshop statt. "Wir hatten Teilnehmer aus 13 Ländern, zum Beispiel aus Chile, Armenien, Mozambique, Indien, Spanien, Israel, Schweden und Uganda", sag Zoels. "Wie immer waren wir von der Kreativität der Teilnehmer überrascht. Es gab wieder viele neue Ideen und Anregungen." Die neu entstandenen Spielideen werden in einem "Fördern durch Spielmittel"-Katalogen veröffentlicht. Diese Kataloge werden unter anderem Mitarbeitern von Behinderteneinrichtungen und Pädagogen zur Verfügung gestellt. Denn in ihnen werden die neuen Spielzeuge nicht nur vorgestellt, sondern es gibt eine genaue Bauanleitung. So können Mitarbeiter in Behinderteneinrichtungen, in Kitas, aber auch Eltern die Spielzeuge selbst nachbauen. Außerdem arbeitet der Verein mit Behindertenwerkstätten zusammen, die einige Spielgeräte auch herstellen und eigenständig vertreiben.

In den ersten Jahren fanden die Workshops ausschließlich in Deutschland statt. "Inzwischen waren wir aber schon auf drei Kontinenten zu Gast", berichtet Zoels. So fanden Workshops bereits in Mexiko, Italien, Schweden, China, Armenien und Großbritannien statt. Bislang nahmen 375 Designer, Therapeuten und Techniker aus 60 Ländern teil. Wie Zoels erklärt, entstand so ein weltweites Netzwerk von Spielzeug-Entwicklern.

Etliche der Spielgeräte können die Pankower übrigens auch in der Immanuelkirchstraße 24 ausprobieren und ausleihen. Dort eröffnete der Verein vor einigen Jahren eine Ludothek. Dahinter verbirgt sich eine Spielzeugbibliothek. Geöffnet ist die Einrichtung dienstags, mittwochs und freitags von 15 bis 18 Uhr sowie donnerstags 9 bis 12 Uhr.

Weitere Informationen gibt es unter 442 92 93 sowie auf www.spielmittel.de.

Bernd Wähner / BW
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