Stelen erinnern an den Tod von 70 Obdachlosen

Das Krankenhaus Prenzlauer Berg: Bald soll mit Gedenkstelen an die Geschichte des Gebäudes erinnert werden. (Foto: BW)

Prenzlauer Berg. Mit zwei Gedenkstelen wird ab dem Frühjahr an die Katastrophe vor mehr als 100 Jahren im Obdachlosenasyl "Die Palme" an der Fröbelstraße erinnert.

Heute beherbergt das Gebäude das Vivantes-Krankenhaus. Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts fanden dort aber Menschen, die auf der Straße lebten, für die Nacht ein Dach über dem Kopf. Der Volksmund gab dem Asyl den ungewöhnlichen Namen "Die Palme", weil gleich neben der Eingangstür eine Palme gestanden haben soll. In der "Palme" ereignete sich 1911 Schreckliches. Zu Weihnachten wollten sich die Obdachlosen etwas Gutes tun. Sie kauften bei einem Zwischenhändler in der Zentralmarkthalle am Alexanderplatz Bücklinge. Was sie nicht ahnten: Diese waren bereits verdorben. 70 obdachlose Männer starben an einer Fischvergiftung. Dieser Vorgang erregte seinerzeit vor allem Aufsehen, weil der Ausbruch einer Seuche befürchtet wurde. Als die eigentliche Ursache für die Todesfälle bekannt wurde, wiesen insbesondere sozialdemokratische Zeitungen auf die sich offenbarenden Missstände in der aufstrebenden Reichshauptstadt hin.An die Geschichte des Gebäudes und auch an den schrecklichen Vorfall im Jahre 1911 erinnerte bisher kein Denkmal. "Wesentliche Orte der Stadtgeschichte aus der sogenannten Gründerzeit drohen aus dem kollektiven Gedächtnis zu verschwinden", erklärt Wolfram Kempe von der Linkspartei. Deshalb stellte er in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vor einem Jahr den Antrag, dass an das Obdachlosenheim in geeigneter Form erinnert werden solle. Dieser Idee stimmte die BVV per Beschluss zu. Im zurückliegenden Jahr befasste sich nun die Gedenktafelkommission des Bezirks mit dem Thema. Sie entschied jetzt, dass auf dem Gelände des früheren Obdachlosenasyls zwei Gedenkstelen aufgestellt werden sollen. Der dort heute beheimatete Krankenhausbetrieb Vivantes stimmte dem zu und entschied, die Kosten zu übernehmen. Die Stelen werden im Frühjahr enthüllt.


Bernd Wähner / BW
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