Verdienstkreuz für die Versöhnung: Helmut Walz wird für sein Engagement geehrt

Bundesverdienstkreuzträger Helmut Walz mit Schülern der Paul-Löbe-Schule. (Foto: Christian Schindler)

Reinickendorf. Für seine Arbeit zur Verständigung zwischen Reinickendorfer Schülern und Überlebenden des Nazi-Massakers von Lidice hat Helmut Walz das Bundesverdienstkreuz erhalten.



Ein begeisterter Ordensträger ist Helmut Walz nicht. Gerade war er auf einem Empfang der tschechischen Botschaft, und da hätte er die Auszeichnung an einem besonders passenden Ort tragen können. Schließlich hat er das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland von Bürgermeister Frank Balzer (CDU) am 13. Juni gerade für seine Arbeit in Lidice erhalten. Gefreut hat er sich über die Auszeichnung natürlich trotzdem.

Massaker im Krieg

Lidice ist ein Dorf zwischen Prag und Kladno, das am 10. Juni 1942 von deutschen Besatzungstruppen als Vergeltung für das Attentat auf Reinhard Heydrich, den stellvertretenden Verwalter des damals besetzten Böhmen und Mähren, zerstört wurde. Alle männliche Bewohner über 15 Jahre wurden ermordet, die Kinder nach Litzmannstadt und die Frauen in das Konzentrationslager Ravensbrück verschleppt.

Der 79-jährige gelernte Maschinenschlosser, Bewag-Betriebstechniker und Gewerkschafter Walz ist seit 1990 Mitglied des Reinickendorfer Arbeitskreises "Politische Bildung, Vergangenheit – Zukunft", der sich um die Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen und zugleich um die Verständigung mit Überlebenden kümmert. Seit 2001 ist er Vorsitzender des rund 30 Mitglieder zählenden Arbeitskreises.

Erinnerung wachhalten

Seit 1999 organisiert Walz Fahrten nach Lidice, bringt Schüler des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums, der Gustav-Freytag- und der Paul-Löbe-Schule zusammen mit Überlebenden des Kriegsverbrechens. Dabei hat er Unterschiedliches erlebt. Es gab überlebende Frauen, die nie wieder mit Deutschen zu tun haben wollten. Andere waren gerührt, dass Deutsche, die nichts mit diesen Verbrechen zu tun hatten, die Erinnerung daran wachhalten – auch mit dem Ziel, dass so etwas nie wieder passiert.

Zugleich stellt er zufrieden fest, dass das Bemühen um Aussöhnung auch in Tschechien anerkannt wird. Wurden früher Gedenkreden ausschließlich auf Tschechisch gehalten, gibt es jetzt auch englische Übersetzungen, in denen eben auch jene Aussöhnung gewürdigt wird.

Der Arbeitskreis leidet wie viele Vereine unter Überalterung. Aber hier zeichnet sich auch Hilfe ab. Schüler der Paul-Löbe-Schule, die gerade mit Walz in Lidice waren, und die die Schule im nächsten Jahr verlassen werden, wollen als Freundes des Arbeitskreises weitermachen. Als immerwährende Erinnerung an Lidice ist übrigens 1995 in dem Park hinter dem Rathaus ein Rosenbeet angelegt worden, das von Schülern gepflegt wird. CS
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