„Wir müssen konkurrenzfähig sein“: Integrationsbetriebe wünschen bessere Förderung

Die berlinweiten Infowochen der Integrationsbetriebe im Februar nahm der Geschäftsführer der Integra GmbH, Karl Bubenheimer (2. von rechts), zum Anlass für eine Einladung in die Lengeder Straße. Es informierten sich CDU-Bundestagsabgeordnete Burkard Dregger (Mitte), die FDP-Bezirksverordnete Mieke Senftleben (rechts) und die Reinickendorfer Behindertenbeauftrage Regina Vollbrecht (2. von links). (Foto: Berit Müller)
 
Partyausstattung für Caterer liefert der Integrationsbetrieb Integra in der Lengeder Straße. (Foto: Berit Müller)

Reinickendorf. Integrationsbetrieb darf sich ein Unternehmen nennen, wenn zwischen 25 und 50 Prozent seiner Mitarbeiter schwerbehindert sind. In der Hauptstadt gibt es 35 Betriebe, die dieses Soll erfüllen. Reinickendorf hat zwei: die gemeinnützige Integra GmbH und den Alten Dorfkrug Lübars.

„Gäbe es keine Integrationsbetriebe, hätten viele Schwerbehinderte kaum eine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt“, sagt Karl Bubenheimer, Geschäftsführer der Integra. Der Grund: Zwar schreibt der Gesetzgeber per Quote vor, dass Firmen mit mehr als 20 Mitarbeitern auch Menschen mit Behinderungen einstellen müssen. Doch der Anteil liegt bei fünf Prozent und ist damit nicht sehr hoch. Außerdem können sich Betriebe von der Verpflichtung quasi freikaufen – indem sie eine so genannte Ausgleichsabgabe leisten. Arbeitgeber, die nicht den vorgeschriebenen Prozentsatz an schwerbehinderten Menschen beschäftigen, zahlen pro unbesetztem Pflichtplatz einen bestimmten Betrag. Je nach Höhe der nicht erfüllten Quote liegt er zwischen 125 und 320 Euro.

Sämtliche dieser Abgaben fließen in einen Fonds, aus dem alle Integrationsbetriebe eine jährliche Förderung bekommen – finanzieller Ausgleich für die Nachteile, die den Firmen aufgrund des hohen Anteils schwerbehinderter Mitarbeiter entstehen. „Als Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes müssen wir konkurrenzfähig sein“, erläutert Bubenheimer. „Wir setzen marktfähige Geschäftsideen um, beschäftigen Angestellte mit regulären Arbeitsverträgen und zahlen ortsübliche oder tarifliche Löhne und Gehälter.“

Die gemeinnützige Integra GmbH wurde 1982 gegründet – eigens mit dem Ziel, schwerbehinderte Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Seit fünf Jahren hat der Betrieb seinen Sitz in der Lengeder Straße nahe dem S-Bahnhof Wilhelmsruh. 90 Frauen und Männer arbeiten dort in den Sparten Partyausstattung und Gebäudereinigung. Genau die Hälfte ist schwerbehindert.

In einer anderen Größenordnung zählt auch der Lübarser Dorfkrug zu den Berliner Integrationsbetrieben. Aktuell haben fünf seiner zehn Beschäftigten den Schwerbehinderten-Ausweis. „Wir sind aber immer auf der Suche nach Mitarbeitern“, sagt die leitende Angestellte des Gastrobetriebs Marlies Haban.

So unterschiedlich die Branchen und Beschäftigtenzahlen sind: Einigkeit herrscht bei den Geschäftsführern der Integrationsbetriebe, wenn es um die Höhe der Zuweisungen aus dem Ausgleichsetat und die Anzahl neuer, staatlich geförderter Arbeitsplätze für Schwerbehinderte geht: Mit beidem ist so gut wie kein Auskommen – und das, obwohl der Berliner Ausgleichsfonds 2017 dank eines Bundesprogramms erstmals statt der üblichen 2,6 immerhin 4,6 Millionen Euro umfasst. „Dennoch fördert das Integrationsamt auch in diesem Jahr nur 50 neue Arbeitsplätze berlinweit“, sagt Bubenheimer. „Das Kontingent war schon Anfang Februar aufgebraucht.“ Der Geschäftsführer der Integra wünscht sich mindestens 100 Plätze pro Jahr sowie generell mehr Unterstützung für schwerbehinderte Arbeitnehmer seitens Politik und Wirtschaft. „Wenn alle Unternehmen die gesetzlichen Quoten erfüllen würden, bräuchten wir keine Integrationsbetriebe.“

Die 35 Berliner Integrationsfirmen haben zusammen circa 1400 Arbeitsplätze, davon gut 700 für Schwerbehinderte. bm
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