Erstaunliche Funde auf ehemaligem Lager-Gelände

Ein Teil der inzwischen abgerissenen Wirtschaftsbaracke wird später im Schulneubau ausgestellt. (Foto: Sylvia Baumeister)

Rudow. Auf dem Gelände der zukünftigen Clay-Schule am Neudecker Weg befand sich von 1941 bis 1945 das Zwangsarbeiterlager Rudow I-III. Nach ersten archäologischen Ausgrabungen zeigt sich, dass es bisher keine vergleichbaren Funde in Berlin gegeben hat.

Viel Ärger hatte es in der Vergangenheit um die bauliche Verzögerung der Clay-Schule gegeben, die auf dem vier Hektar großen Gelände am Neudecker Weg nun erst ab 2018 errichtet werden kann. Vielleicht wird das aber später gar nicht mehr so von Belang sein. Denn die Ausgrabungsstücke auf dem ehemaligen Zwangsarbeiter-Gelände und die Dokumentation der Wirtschaftsbaracke haben selbst Fachleute staunen lassen.

"Dank der Funde haben wir ein viel plastischeres Bild vom Lageralltag. Sie sind für die historische Forschung von sehr großer Bedeutung. Vergleichbares hat es in Berlin noch nicht gegeben", sagt Dr. Udo Gößwald, Leiter des Museums Neukölln.

Teller, Schüsseln, Bestecke, Kämme, Becher und viele umfunktionierte Gegenstände buddelten Archäologen des Büros "archaeofakt" aus einem Splittergraben aus, der 1945 eilig mit Gegenständen aus den Baracken befüllt worden war.

Insgesamt konnten etwa 500 Funde auf dem Gelände geborgen werden. "Sie geben wertvolle Aufschlüsse über die Sozialstruktur und die Herkunft der Menschen, die hier lebten", berichtet Gregor Döhner von archeofakt. Überwiegend Frauen aus Holland, Polen, Italien, Weißrussland, Serbien und Frankreich lebten hier und mussten in den umliegenden Betrieben arbeiten. Manche hatten Kinder dabei, das zeigen Funde wie Puppenköpfe und Nuckelflaschen.

Auch die ehemalige Wirtschaftsbaracke auf dem Gelände, in der sich eine Küche befand, wurde entsprechend den Auflagen des Landesdenkmalamtes vor ihrem Abriss umfangreich dokumentiert. Ein Teil der Außenwand soll nach Aussage von Schulstadträtin Dr. Franziska Giffey (SPD) in den Schulneubau integriert werden.

Bald steht noch eine weitere Ausgrabung an, bei der Reste aus der römischen Kaiserzeit geborgen werden sollen. Diese archäologischen Arbeiten haben für den Bezirk natürlich einen Preis: Etwa 880 000 Euro muss er dafür zahlen.


Sylvia Baumeister / SB
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