Die Hartnackschule feiert 100. Geburtstag

Der Gründer Paul Emil Hartnack (1890-1952). (Foto: Hartnack-Schule)

Schöneberg. Völkerverständigung nach der Methode eines 24-jährigen Fremdsprachenkorrespondenten: Die Hartnackschule ist 100 Jahre alt geworden.

Vielleicht Zufall, vielleicht Geschäftssinn, auf jeden Fall eine einfache, aber wegweisende Erkenntnis führte Paul Emil Hartnack (1890-1952) aus Wuppertal 1915 zur Gründung seiner privaten Sprachschule für Englisch und Französisch in Köln: Sprachen sind der Schlüssel für gegenseitige Verständigung, Wissensvermittlung und kulturellen Austausch. Heute ist die Hartnackschule eine der wenigen Sprachenschulen in Berlin, die gemeinsam mit Kooperationspartnern berufsbezogene Deutschkurse im Auftrag des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge durchführen dürfen.

Für den Unterricht entwickelte Hartnack damals eine revolutionäres Verfahren: sogenannte Filmstrips, die den Lehrstoff mit Hilfe von projizierten Bildern interessant machen, die Kursteilnehmer zur Konversation anregen und interkulturelles Verstehen ermöglichen sollten. 1929 ließ er seine bahnbrechende Methode patentieren. 1934 verlegte Paul Emil Hartnack den Hauptsitz seiner Sprachschule an den Nollendorfplatz. Die Unterrichtsräume befanden sich in der Bülowstraße 105. Sie wurden durch Bomben zerstört. Kurz nach Kriegsende hatte Artur Lauterbach (1904-1981), ein ehemaliger Leiter und Inhaber eines privaten Breslauer Gymnasiums, die Leitung der Hartnackschule übernommen. Nach Hartnacks Tod wurde er auch deren Inhaber. Die Schule fand eine neue Heimat in der Motzstraße 5, bis heute das Herzstück der Einrichtung, zu der noch das Hochhaus am Nollendorfplatz und Unterrichtsräume im CVJM-Gebäude in der Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße gehören.

Lauterbach baute die Schule kontinuierlich auf und erweiterte die Lehrmethode. Nach seinem Tod war bis 2013 Inge Lauterbach geschäftsführende Inhaberin. 2002 wurde die Lauterbach-Stiftung gegründet. Sie fördert begabte und finanziell bedürftige Kursteilnehmer der Schule. In den 100 Jahren haben 900 000 Kursteilnehmer die Einrichtung erfolgreich absolviert. Seit dem 1. September 2013 ist der langjährige Schulleiter Henning Lauterbach auch Inhaber der 100 Mitarbeiter zählenden Hartnackschule Berlin, in der Tag um Tag rund 1800 Menschen in 110 Sprachkursen unterrichtet werden.

Seit den 60er-Jahren konzentriert sich die Schule hauptsächlich auf die Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache, sei es in Form von Universitätskursen zur Vorbereitung auf die Sprachaufnahmeprüfungen, von berufsbezogenen Deutschkursen oder von Integrationskursen, in denen Migranten Deutsch lernen.

Derzeit kommen viele Teilnehmer aus Syrien, der Türkei und Afghanistan, aber auch aus Spanien, Osteuropa und afrikanischen Staaten. Stabil ist die Zahl der Teilnehmer aus Indonesien und Vietnam, im Kommen sind wieder Teilnehmer aus China. Die meisten Sprachschüler sind Mitte 20 und wollen in Deutschland studieren. Am 17. April feiert die Hartnackschule mit vielen Gästen aus Politik und Gesellschaft offiziell Geburtstag.


Karen Noetzel / KEN
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