Lehrer kritisieren neue Honorarvorschriften für Musikschulen

Spandau. Lehrkräfte der Musikschule kritisieren die neuen Honorarvorschriften des Berliner Senats. Sie befürchten finanzielle Einbußen und mehr Bürokratie.

Die neuen Honorarverträge gelten für alle freiberuflichen Musikschullehrer in Berlin. Sie sollen bis zum 1. Mai unterschrieben werden. In Spandau sind davon 120 Honorarkräfte betroffen. Auch Sven Möller und Thomas Papenfuß gehören dazu. Die beiden sind Lehrervertreter und üben harsche Kritik an den neuen Honorarvorschriften. Sie kritisieren besonders die Einzelstundenhonorare, die an Stelle der Monatshonorare treten. Das bedeutet für die Lehrer finanzielle Einbußen, denn das Honorar wird künftig nur noch auf der Basis der tatsächlich geleisteten Stunden vergütet. "Damit gehen wir beispielsweise in den Ferien komplett leer aus", sagt Sven Möller. Die Lehrer befürchten, dass ihr Einkommen weiter sinken wird. "Viele Kollegen bangen um ihre berufliche Existenz", sagt Thomas Papenfuß. Laut Verdi verdient ein freiberuflicher Musikschullehrer im Schnitt 1044 Euro Brutto im Monat.

Mit den Änderungen wächst auch der bürokratische Aufwand. Die Lehrer müssen künftig jede erteilte Unterrichtsstunde einzeln mit der Musikschule abrechnen. Auch das könnte die Arbeit insgesamt unattraktiver machen.

Wie viele ihrer Kollegen die neuen Verträge ablehnen werden, wissen die Lehrervertreter nicht. Noch im Januar hätten alle Honorarkräfte ihre Absicht erklärt, nicht unterschreiben zu wollen, so Möller. Die Arbeit der Musikschule wäre damit gefährdet. So schwarz malen will Leiter Jürgen Mularzyk die Situation nicht. Die Stundenabrechnung sei zwar eine Verschlechterung, jedoch würden die Honorare steigen, um 7,3 Prozent bis August 2013. Unterm Strich könne der Einzelne also sogar etwas mehr verdienen. Zudem müssten die Musikschulen künftig auch Leistungen entlohnen, die bisher unbezahlt blieben, etwa die Teilnahme an Sitzungen. Die Arbeit der Musikschule sieht Mularzyk daher nicht gefährdet. Doch Kritiker mahnen: Höhere Stundenlöhne könnten automatisch zu einem reduzierten Unterrichtsangebot führen. Denn der Etat der Musikschule wird nicht steigen.


Ulrike Kiefert / uk
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