Spandauerin des Monats März: Martina Rüdiger engagiert sich für Flüchtlinge

Martina Rüdiger (4. von links) wollte die Auszeichnung von Bürgermeister Helmut Kleebank nur zusammen mit weiteren ehrenamtlichen Helferinnen annehmen. (Foto: Christian Schindler)
 
(Foto: Christian Schindler)

Spandau. Martina Rüdiger ist Spandauerin des Monats März 2016. Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) zeichnete sie für ihr ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge aus.

Seit August 2015 ist Martina Rüdiger ehrenamtlich für die Flüchtlinge am Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) am Askanierring im Einsatz. Mit ihr sorgen 20 bis 30 weitere Ehrenamtliche unermüdlich dafür, dass die Wartesituation für die Flüchtlinge erträglicher wird. An manchen Tagen stehen bis zu 900 Menschen vor dem Gebäude und warten auf ihre erkennungsdienstliche Erfassung, sprich auf die Registrierung für den Asylantrag oder Aufenthalt und auf den darauf folgenden Anhörungstermin.

Die Ernennung zur „Spandauerin des Monats“ hat Martina Rüdiger erstaunt und erfreut. Den Titel für sich alleine möchte sie nicht haben, sie versteht sich als Stellvertreterin für eine Gruppe engagierter Menschen, die Zeit, Kraft und oft auch Geld investieren, um die Situation von Menschen in Not zu lindern.

Zu den Helfern gehört unter anderem das Tagescenter des Vereins Lebenshilfe. Jeden Tag werden hier von älteren Menschen mit Beeinträchtigungen Snacktütchen mit Kleinigkeiten zum Verzehr gepackt, um diese an die Wartenden und zu verteilen. Auch vom Johannesstift erhalten die „ehrenamtlichen Helfer am BAMF“, wie Martina Rüdiger „ihre“ Gruppe bezeichnet, Unterstützung durch die Lieferung von Tee und Lebensmitteln. Bäckereien und Backshops aus Spandau stellen ebenfalls Backwaren zur Verfügung. In einem Wartecontainer werden die Lebensmittel und Getränke, aber auch dringend benötigte Hygieneartikel verteilt, alles aus privaten Spenden finanziert. Sogar eine Kinderbetreuung wird hier organisiert.

Flucht aus dem Krankenhaus

Ohne diese Hilfe würden die Menschen stundenlang ohne Essen und Trinken unter freiem Himmel stehen. Der im BAMF vorhandene Warteraum reicht allenfalls für 100 Personen. Der Termin beim BAMF ist wichtig für die Geflüchteten, deren Hauptanteil derzeit aus dem arabischen Raum und dort aus Syrien stammt. Ohne Registrierung beim Bundesamt gibt es keine Aufenthaltserlaubnis, keine Arbeitserlaubnis, kein Asyl. „Einmal ist sogar eine Frau kurz vor einer anstehenden Operation aus dem Krankenhaus ,entwischt‘, nur um ihren Termin wahrnehmen zu können. Wir mussten sie mit dem Krankenwagen zurückbringen lassen“, berichtet Martina Rüdiger.

Der vom BAMF für ihre Arbeit relativ schnell zur Verfügung gestellte Container ist aber schon alles an Hilfe, was die Ehrenamtlichen von der Bundesbehörde erfahren. Seit dem gibt es zwischen den Helfern und Verantwortlichen des BAMFs keinen offiziellen Kontakt. Zur Verbesserung der Situation wünschte sich Martina Rüdiger Gespräche und Hilfe. Aber letztendlich hat sie das Gefühl, hier lediglich geduldet zu sein. Dies hält die selbstständige Webentwicklerin aber nicht davon ab, tagtäglich alles Mögliche für die Flüchtlinge zu organisieren. „Durch meine Selbstständigkeit habe ich den Vorteil, mir meine Arbeitszeit selber einteilen zu können. Aber auch ich brauche meine Auszeiten.“ Denn durch die Arbeit am BAMF aber auch bei der persönlichen Betreuung einzelner Flüchtlinge erfährt sie viel Leid und traurige Schicksale.

Gespräch mit der Kanzlerin

Ein besonderes Erlebnis war der Besuch der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 10. September 2015 des BAMF. Da hatte Martina Rüdiger die einmalige Chance an oberster Stelle auf Missstände und Verbesserungsvorschläge persönlich hinzuweisen. Die Kanzlerin nahm sich Zeit mit den Helfern in den Räumen des BAMF zu sprechen. Martina Rüdiger informierte sie über die Arbeit der Flüchtlingshelfer am BAMF und äußerte ihre Wünsche zur Unterstützung der Helfer. „Geändert, geschweige denn verbessert hat sich seit dem leider nichts“, resümiert Martina Rüdiger resigniert.

Aber dennoch ist sie nicht entmutigt weiterhin für die Flüchtlinge da zu sein und zu helfen, wo sie nur kann. Wer ebenfalls helfen und sich engagieren will kann sich unter www.mehr-als-nutellatoast.de oder spandau.hilft@gmail.com informieren. CS
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