Jugendamt am Limit: Es fehlt Personal

Tempelhof-Schöneberg. Kinderschutzaufgaben kann das Jugendamt derzeit nur durch ein Notprogramm sicherstellen. Die Personallage der sozialpädagogischen Dienste ist äußerst kritisch, wie der zuständige Stadtrat Oliver Schworck (SPD) auf Anfrage der Grünen erklärt.

Schworcks ungeschönte Erklärung, dass seine Behörde ihren gesetzlichen Verpflichtung nicht mehr vollumfänglich nachkommen kann, kommt einem amtlichen Offenbarungseid mit allen Daten, Zahlen und Fakten gleich. Das geht inzwischen so weit, dass bei einigen Dienststandorten des Regionalen Sozialdienstes (RSD) lediglich noch die Hälfte bis zwei Drittel der Mitarbeiter im Einsatz sind. Der Rest ist oft wochen- bis monatelang krank.

„Äußerst kritisch“, so der Stadtrat, ist die Personallage bei der Jugendgerichtshilfe. Dort ist zurzeit nur noch eine von insgesamt sieben Stellen arbeitsfähig und wichtige Aufgaben müssen von den schon selbst überlasteten Kollegen des Sozialdienstes übernommen und erledigt werden. Dies hat unter anderem zur Folge, dass einzelne Standorte immer öfter tageweise für den Publikumsverkehr geschlossen werden, damit Aktenrückstände aufgearbeitet werden können. Dann bekommen Familien nur noch in besonders dringenden Fällen amtliche Hilfe. Alle anderen müssen sich gedulden und auch Schulen oder freie Träger der Jugendhilfe haben keine Ansprechpartner.

Laut Schworck liegt die Ursache in den eklatanten Personalproblemen, die sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren entwickelt und zugespitzt hätten, aber anscheinend nur schwer zu lösen sind. Erschwerend hinzu kommt auch noch, dass Mitarbeiter „aus persönlichen Gründen, wegen der hohen Arbeitsbelastung, besserer Entlohnung oder dem Wechsel in Leitungsfunktionen und aus vielen anderen Gründen, zum Beispiel wegen Erreichung der Altersgrenze, derzeit den RSD verlassen“, sagt der Stadtrat und fügt wenig zuversichtlich hinzu, dass es mittlerweile trotz mehrerer Stellenausschreibungen auch an geeigneten Bewerbungen mangelt. Oliver Schworck hat nun mit der Bürgermeisterin und den Personalvertretungen verabredet, die Bewerbungsverfahren zu verkürzen. HDK
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