Kulturstiftung erinnert mit einer Ausstellung an den Musiker und Sammler Ferruccio Busoni

Im Zentrum der Ausstellung steht Busonis Bechstein-Flügel. (Foto: KEN)
 
Ferruccio Busoni in Berlin im Jahre 1898. Die Fotografie stammt aus dem Nachlass des Künstlers. (Foto: KEN (Repro))
Berlin: Kunstbibliothek |

Tiergarten. Zu Unrecht ist Ferruccio Busoni in Vergessenheit geraten, so die Kuratoren der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Und so gibt es zum 150. Geburtstag eines der bedeutendsten Musikvirtuosen seiner Zeit und Wegbereiter der Neuen Musik eine umfassende Ausstellung über sein Leben und Werk als Pianist, Komponist, Theoretiker und Sammler.

Im Mittelpunkt der Schau „Busoni. Freiheit für die Tonkunst!“ steht der 11.000 Dokumente umfassende Busoni-Nachlass der Staatsbibliothek zu Berlin. Seit 1925 werden Notenmanuskripte, 600 Fotografien und mehr als 9000 Briefe verwahrt, die Ferruccio Busoni (1866-1924) mit Persönlichkeiten der europäischen Moderne gewechselt hat.

Ohne diesen Nachlass wäre die Ausstellung nicht denkbar gewesen, sagt Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek. Ihr Haus liefert den weitaus größten Teil der Exponate. Beteiligt sind außerdem das Staatliche Institut für Musikforschung und die Kunstbibliothek, in deren Räumen die Ausstellung zu sehen ist und die eine Auswahl an Prachtexemplaren der Buchkunst und Grafik sowie einzelne Werke von Künstlern beisteuert, die für Busoni eine besondere Rolle gespielt haben. Dazu gehört etwa der italienische Futurist Umberto Boccioni.

Die Anregung für die Ausstellung, die nach den Worten von Schneider-Kempf „ein guter Schritt ist, den allgemein nicht gut bekannten Komponisten populärer zu machen“, kam vor etwa vier Jahren aus der Staatsbibliothek. Dank der interdisziplinären Vielfalt der Exponate sei es gelungen, Musik auszustellen, so Thomas Ertelt, Direktor des Musikforschungsinstituts. „Die Ausstellung ist ein Experimentierlabor“, sagt Moritz Wullen, Direktor der Kunstbibliothek. Die Busoni-Schau sei darüber hinaus eine „kleine Mission“ auf dem Weg zum neuen Museum des 20. Jahrhunderts, das neben der Neuen Nationalgalerie an der Potsdamer Straße geplant ist. „Der Besucher wird selbst zum Forscher, der Objekte aus verschiedenen Kunstbereichen vergleichen kann“, sagte Wullen weiter.

Für Hermann Parzinger, Präsident der Kulturstiftung, ist Busoni nicht nur eine herausragende Künstlerpersönlichkeit der Moderne, sondern auch Weltbürger mit eigenem Netzwerk, Förderer der Avantgarde und „Epizentrum in der Kultur“. „Es ist gut, dass sich drei Einrichtungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zusammengetan haben, um mit ihren Sammlungen an diesen bedeutenden Künstler zu erinnern“, so Parzinger.

Ferruccio Busoni lebte von 1894 bis zu seinem Tode in Berlin, seit 1910 am Viktoria-Luise-Platz in Schöneberg. Während des Ersten Weltkrieges ging er nach Zürich ins Exil. Das Wirken eines Musikers muss selbstverständlich auch zu Gehör gebracht werden. So findet im Rahmen der Ausstellung am 26. September um 20.30 Uhr im Curt-Sachs-Saal des Musikinstrumentenmuseums, Tiergartenstraße 1, ein Sonderkonzert der Notturno-Reihe des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin statt. Während der Laufzeit der Ausstellung bis zum 8. Januar werden in einem Begleitprogramm (www.smb.museum/kb) weitere Konzerte, Führungen und Gespräche angeboten. KEN

Die Ausstellung „Busoni. Freiheit für die Tonkunst!“ in der Kunstbibliothek am Kulturforum, Matthäikirchplatz 6, ist dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 11 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet sechs, ermäßigt drei Euro.
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