120 Jahre alte Kastanie im Liebermann-Garten umgekippt

Die 120-jährige Kastanie gehörte noch zur originalen Bepflanzung des Gartens. (Foto: Liebermann-Villa)

Wannsee. Wannsee. Die 120 Jahre alte, 18 Meter hohe Kastanie im Garten der Villa Liebermann ist in der Nacht zum 17. Juni umgekippt. Der Hausmeister entdeckte den umgestürzten Baum in den frühen Morgenstunden.

Jetzt fehlt dort ein wichtiges Wahrzeichen, nicht nur von Optik her, sondern auch als gestalterisches Element. Erst vor wenigen Wochen waren die Arbeiten zur Restaurierung des denkmalgeschützten Ensembles aus Villa und Garten an der Colomierstraße 3 abgeschlossen, der historische Originalzustand wieder hergestellt. "Man könnte meinen, der Baum hätte es gerade noch geschafft, das zu erleben", sagt Martin Faass, Direktor des Museums Villa Liebermann. "Es ist ein schmerzlicher Verlust." Schließlich hatte Liebermann (1847-1935) die weißblühende Kastanie 1910 als größeren Baum selbst gepflanzt - bewusst als eine Art Landmarke zwischen der Blumenterrasse und den Heckengärten. Die Kastanie war oft genug Motiv des Malers, der bis zu seinem Tod 1935 die Sommermonate in seiner Villa verbrachte. Als stummer Zeitzeuge überstand der Baum die wechselvolle Nutzung des Geländes: nach dem Zwangsverkaufs 1940 als Reichspostheim, Feldlazarett, Krankenhaus, Sportlerheim und ab 2006 als Museum.

Der Fall kam überraschend, obwohl seit mehreren Jahren Pilzbefall und Fäule zu morschen Stellen und zur Aushöhlung von Wurzelhals, Stamm und Astwerk führten. "Es war ein Sommerbruch, das kann nach Hitzeperioden vorkommen", so Faass. "Im vorletzten Herbst haben wir ihn noch zurückschneiden lassen, um die Krone zu entlasten." Durch den Sturz sind glücklicherweise keine weiteren Schäden entstanden. Jetzt ist von der Bepflanzung, die Liebermann selbst vorgenommen hatte, nur noch eine Lindenhochhecke vor der Villa erhalten.

Die entstandene Lücke soll geschlossen werden, möglichst noch im Herbst mit einer Großbaumpflanzung. Eine teure Angelegenheit, die Kosten liegen im fünfstelligen Bereich. Der Direktor des privat geführten Museums will sich an die Stiftung Denkmalschutz wenden. Geplant ist auch, Teile der Kastanie, etwa Baumscheiben, zu versteigern. "Wir würden uns natürlich auch über Spenden aus der Bevölkerung freuen", so Faass. Mehr dazu: Tel. 805 85 90 10, Mail: info@liebermann-villa.de


Ulrike Martin / uma
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