Ehrenamtliche Helfer mit Flügeln: 17 Kinder zeigen ihr fliegerisches Können im Flugsimulator

Ready for Take-Off: Pilot Maik Schindler erklärt die Steuerung. (Foto: Daniel Mosler)
 
Pilot Maik Schindler beim Briefing vor dem ersten Flug. (Foto: Daniel Mosler)

Wedding. Ivonne drückt auf den Startknopf – das Cockpit vibriert unter dem Lärm der startenden Motoren. Als Copilot Maik Schindler den Schubhebel nach hinten zieht, werden langsam die Häuser um uns herum kleiner.

Ein ganz normaler Flugzeugstart – wäre Pilotin Ivonne nicht gerade mal 18 Jahre alt.

Es ist der großer Traum vieler Kinder: Einmal selbst ein Flugzeug fliegen und die Welt von oben sehen. Für 17 Heimkinder wurde dieser Traum nun Wirklichkeit – wenn auch nur im Simulator. Gemeinsam mit sieben ehrenamtlichen Helfern ging es für die 9- bis 18-Jährigen aus Trebbin mit dem Bus zum Flugsimulator nach Wedding. Die Kosten für den Bus hat der Verein „Berliner helfen“ übernommen.

Der Ausflug selbst wurde von der Stiftung „Gute-Tat“ organisiert, die dafür ihre Aktion „Engel für einen Tag“ nutzt. „Wir führen die Aktion zum ersten Mal in Berlin durch, in München haben wir damit schon sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Beate Bera, Koordinatorin der Stiftung. Im Jahr 2000 gegründet, vernetzt die Stiftung mehr als 6000 ehrenamtliche Helfer in Berlin, München und Hamburg.

Ob Schwimmbad, Freizeitpark oder Zoo – solche Aktivitäten bleiben Heimkindern oft verwehrt. „Wir möchten unsere Engel mit Heimkindern zusammenbringen, um gemeinsam einen ganz besonderen Tag miteinander zu verbringen“, sagt Beate Bera. Die Engel sind allesamt ehrenamtliche Helfer, die Aktion ist für die Kinder kostenlos.

Viele der Heimkinder stammen aus schwierigen Verhältnissen – einige haben in ihren Familien Gewalt und Misshandlung erfahren. Gerade in jungen Jahren ist daher eine intensive Betreuung wichtig – Freizeitaktivitäten und der persönliche Kontakt zu Vertrauenspersonen tragen zur Bewältigung der Vergangenheit bei.

Den Heimen fehlt für größere Aktionen häufig das nötige Personal und Geld. „Wir möchten, dass jedes Kind von einem Engel betreut wird“, sagt Beate Bera. Und denen macht die Arbeit Spaß, viele würden am liebsten gleich mit ins Cockpit einsteigen. „Hier kann ich alte Kompetenzen wieder aufleben lassen, da entscheidet einfach mein Herzgefühl“, sagt Bernd Fiedler (61).

Beim Berliner Auftakt der Aktion „Engel für 1 Tag“ durfte jeder Teilnehmer für zehn Minuten sein fliegerisches Können im Cockpit beweisen: Scheiterten einige bereits am Start, zeigten andere wahre Meisterleistungen: Pilotin Xenia (15) hat ihr Flugzeug bereits sicher in die Luft gebracht, Engel Marina Polovinkina ist sichtlich stolz.

Die 22-jährige Studentin engagiert sich gern für Kinder. Die Arbeit mit ihnen zwar sei nicht immer leicht, man bekomme aber viel zurück: „Anderen Kindern etwas zu ermöglichen, was man selbst in der eigenen Kindheit geliebt hat, ist ein großartiges Gefühl.“ Die russischstämmige Studentin arbeitete bereits in Russland auf Ferienfreizeiten mit Kindern zusammen. „Wenn ich mich abends hier verabschiede, werde ich sehr glücklich sein“, freut sie sich.

Langsam werden die Häuser unter uns wieder größer – die Landung ist immer ein kleines Kunststück. Wohl entgegen eigener Erwartungen bringt Pilotin Xenia die Maschine sicher zum Stehen. Damit hat sie sich auch den Applaus der Engel verdient.

Wer gut fliegt, muss auch gut essen, finden die Engel der Stiftung Gute-Tat. Deshalb geht es gemeinsam weiter ins BSC-Casino nach Grunewald. Bei Pommes und Burgern tauschen die jungen Piloten ihre Eindrücke aus. Und den Engeln bleibt ein Moment zum Verschnaufen. Viele der ehrenamtlichen Helfer arbeiteten als Erzieherinnen oder Lehrer, aber auch immer mehr Studenten engagieren sich, so Beate Bera: „Wer sich als ehrenamtlicher Helfer engagieren möchte benötigt ein polizeiliches Führungszeugnis, denn gerade bei der Arbeit mit Heimkindern ist besondere Vorsicht geboten“.

Die Stiftung plant, mehrmals im Jahr solche „Engeltage“ in Berlin zu veranstalten. In München nehmen pro Aktion bis zu 100 Kinder und ihre Betreuer teil. Im Oktober 2014 ging es gemeinsam zu einem großen Outdoor-Spielplatz. Ehrenamtliche Betreuer seien immer herzlich willkommen, sagt Beate Bera. Wer als „Engel für 1 Tag“ helfen möchte, kann sich auf www.engeltag-online.de bewerben.

Als sich am Ende des ereignisreichen Tages ihre Wege wieder trennen, haben viele Kinder den (neuen) festen Berufswunsch Pilot – und ihre Engel Flugzeuge im Bauch. Ganz ohne im Cockpit gesessen zu haben. DM
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