Shopping im ICC schädigt Einzelhandel: Gutachten warnt vor Radikalumbau

Kongresse statt Kasse: Dass im ICC großflächiger Einzelhandel einzieht, wird unwahrscheinlich - obwohl das die billigste Lösung wäre. (Foto: Schubert)

Westend. Nun ist es offiziell: Laut einer Expertenuntersuchung wäre die Verwandlung des geschlossenen Kongresszentrums ICC am Messedamm zum Shoppingcenter verheerend für die bestehenden Strukturen. Im Bezirk fühlt man sich bestätigt.

Ein Shopping-Center mit der Verkaufsfläche von circa 39 000 Quadratmetern in dieser Lage hätte beträchtliche Auswirkungen auf das Umfeld - so lautet das Fazit des Papiers. Eine Nachricht, welche die am leichtesten finanzierbare Rettungsoption für das ICC unwahrscheinlich macht.

"Es war keine wirklich große Überraschung, dass jetzt auch gutachterlich klar ist, dass eine Shoppingmall im ICC für den Einzelhandel, insbesondere für die Wilmersdorfer Straße, unverträglich wäre", kommentiert Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD) das Ergebnis. Im Bezirk ist eine Ablehnung des "Shopping-Ufos", wie Naumann die Vision nannte, über die Fraktionsgrenzen hinweg Konsens. "Jetzt ist die Landespolitik gefordert, endlich politisch die Weichen zu stellen. Ich bin dafür, weiter auf Kongresse zu setzen - die weltweit anerkannt Marke ICC muss wieder belebt werden", fordert Naumann auf seiner Facebook-Seite.

Ein Neustart als reines Kongresszentrum gilt aber als teuerste Lösung, da das Land Berlin die mehrere 100 Millionen Euro teure Sanierung dann alleine stemmen müsste.

Auch CDU-Stadtentwickungsexperte Stefan Evers gibt dieser Variante den Vorzug. "Ich erwarte jetzt vom Regierenden Bürgermeister und seinem neuen Stadtentwicklungssenator einen Maßnahmen- und Finanzierungsvorschlag, das ICC als Messe- und Kongressstandort zu erhalten. Das ist für die Zukunft des Gebäudes noch viel wichtiger als die Frage des Denkmalschutzes", erklärt Evers. "Dieser Vorschlag muss bis zu den Haushaltsberatungen vorliegen."


Thomas Schubert / tsc
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