Gesundheitsminister besucht bedrohtes Geburtshaus

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hört die Sorgen eines Hebammenteams, das schon über 6100 Kindern auf die Welt half. (Foto: Schubert)

Westend. Es ist der älteste und größte Hebammen-Stützpunkt Deutschlands. Es kann die hohe Nachfrage kaum decken. Und dennoch steckt das Geburtshaus Charlottenburg in der Krise. Sollte ein versprochenes Maßnahmenpaket nicht schleunigst greifen, droht der Einrichtung 2015 das Aus.

Da steht er nun vor dem Bett, kreuzt die Arme und hört zu. Mehrere Tausend Kinder, erfährt Hermann Gröhe (CDU), seien auf diesem Möbel zur Welt gekommen, in vielen Positionen. Auf Wunsch der Mütter auch hängend oder hockend. Oder nebenan im Bassin.

"Manchmal denke ich, nach 27 Jahren im Job habe ich schon alles gesehen. Aber dann kommt wieder etwas Neues", sagt Janka Kreye, Hebamme und Mitgesellschafterin des Geburtshauses. "Was ich noch nie gesehen habe", fährt sie fort, "ist, dass eine Frau sich freiwillig auf den Rücken legt, die Beine anwinkelt und presst."

So eigenwillig die Frauen - so verschieden die Männer. Manche stehen ehrfürchtig hinter ihrer Partnerin. Andere sind aktiver, durchtrennen die Nabelschnur persönlich, legen sich ihr Kind auf die nackte Brust. Im Backsteinhaus an den DRK Kliniken Westend gebiert jeder nach seiner Facon. Ein Umstand, welcher der seit 1987 bestehenden Einrichtung zu anhaltend hoher Nachfrage verhilft. Längst nicht jede Anfrage hat Aussicht auf Bewilligung. Und trotzdem droht das Ende.

Denn inzwischen will kaum eine Haftpflichtversicherung mit bezahlbaren Beiträgen jene Risiken abdecken, die in einem Geburtshaus erwiesenermaßen nicht höher sind als in einer Klinik. Drei von 14 Hebammen haben die hiesige Einrichtung schon verlassen. Sollte die Umsetzung der versprochenen Maßnahmen zu lange dauern, wäre 2015 keine mehr da. Das Geburtshaus Charlottenburg wäre genau wie alle anderen Einrichtungen dieser Art mit einem Schlag Geschichte.

Soweit will es Minister Gröhe, selbst Vater von vier Kindern, nicht kommen lassen. Er ist an diesem Tag gekommen, um den Frauen und ihrem gefährdeten Berufsstand seinen Beistand zu versichern. "Ihre Sorge", sagt er "soll den Schwangeren gelten, nicht der eigenen Existenz." Zwei Millionen Euro für die Krankenkassen zusätzlich zum Ausgleich für Haftpflichtprämien stehen deshalb bereit - ein Anfang für einen dauerhaften "Sicherstellungszuschlag" für diese Art von Geburten. Auch ein Regressverzicht der Pflege- und Krankenversicherung soll in diesem Jahr zur Verabschiedung kommen. Gröhe verspricht: "Wir bekennen uns zur Wahlfreiheit des Geburtsorts und der Geburtsart."

Egal wie es kommt. Das Bett, vor dem er stand, wird noch so manche Frau zur Mutter werden lassen. Das Erfolgsgeheimnis des Hauses? Hebamme Christine Schuppe: "Wir haben das beste Schmerzmittel: Die Betreuung eins zu eins."


Thomas Schubert / tsc
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