Haus am Waldsee erhält seinen Anbau zurück

Dieses Foto aus dem Jahr 1926 dient als Vorlage für die Sanierung. Der Anbau an der Ostseite soll wieder aufgebaut werden. (Foto: Haus am Waldsee)
Berlin: Haus am Waldsee |

Zehlendorf. Das Haus am Waldsee wird in den kommenden Monaten saniert und bleibt deshalb geschlossen. Die Wiedereröffnung ist im Juli 2018 geplant

Die Villa in der Argentinischen Allee 30 wurde im Jahre 1922 errichtet. Seit Januar 1946 ist das „Haus am Waldsee“ bekannt dafür, dass dort internationale zeitgenössische Kunst vorgestellt wird.

Am ersten Juniwochenende finden die letzten Veranstaltungen statt. Einen Monat später beginnen die Bauarbeiten. In einem Jahr soll die Villa in ihren ursprünglichen Bauzustand zurückversetzt werden. Mit Mitteln der Deutschen Klassenlotterie wird an der Ostseite des Hauses ein Gebäudetrakt wiederaufgebaut, der 1945 beschädigt wurde. Außerdem werden alle Räume im Altbau saniert. Ein Außenaufzug wird angebaut, damit zukünftig auch ältere oder behinderte Menschen ohne Barrieren die Ausstellungen besuchen können.

Anfang der 20er-Jahre war die Villa im Auftrag eines jüdischen Regenmantelherstellers erbaut worden. In den folgenden Jahren bis zum Ende des zweiten Weltkrieges wechselte die Immobilie achtmal die Besitzer. In den 40er-Jahren wohnte dort der Direktor der Reichsfilmkammer.

Im Juni 1945 traten die Berliner Philharmoniker mit einem ihrer ersten Nachkriegskonzerte auf. 1946 will der Kunstkritiker Erwin Redslob im Haus zuletzt Franz Marcs „Der Turm der Blauen Pferde“ (1913) gesehen haben. Dieses Werk gilt bis heute als verschollen.

In der liebevoll „Haus am Waldsee“ getauften Villa trafen sich vor allem Künstler und Musiker, die in den Jahren des Nationalsozialismus zum Schweigen verurteilt waren. Ab 1948 entwickelte das Haus unter der Leitung von Carl Ludwig Skutsch sein neues Ausstellungs-Profil, das international beachtet wurde. Künstlerische Positionen, die seit 1939 an Deutschland vorbeigegangen waren, wie Pablo Picasso, Henry Moore oder Max Ernst wurden vorgestellt. Deutsche Künstler, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden, wie Oskar Schlemmer, Karl Schmidt­Rottluff, Käthe Kollwitz oder Hermann Blumenthal, ausgestellt und damit rehabilitiert.

Seit 2005 gilt das Hauptaugenmerk unter Leitung von Katja Blomberg der heutigen kreativen Berliner Kunstszene. Künstlergespräche, Künstleressen, Konzerte, Kataloge, Kindervernissagen, Yoga in der Kunst, Geschichten in der Kunst oder Free Talk Führungen in Dialogform begleiten die Ausstellungen. Ein Skulpturenpark am See und ein Café runden das Angebot ab. KT
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